Picardie und Pas-de-Calais – zu neuen Ufern 2017

Montag, 14.08.2017

Ganz anders als geplant, lief unsere Tour… aber davon wussten wir noch nichts, als wir uns gemütlich tuckernd mit Elliot mittags auf den Weg machten. Vendeé und allem voran die Île de Noirmoutier sollte unser Ziel sein. 1099 km Hinweg lagen vor uns, die wir größtenteils auf Landstrassen bewältigen wollten. Bis Karlsruhe nahmen wir jedoch die Autobahn, wo aber so viel los war, dass wir uns schon bei Ettlingen rüber nach Frankreich durchschlängelten und den ersten Halt in Drusenheim einlegten.

Obwohl wir jetzt schon auf der französischen Seite waren, fuhren wir den Fährhafen an:

Versprochen ist versprochen!!! … und so ging´s einfach per Fuß auf die Fähre. In wenigen Minuten hatten wir übergesetzt zurück nach Deutschland, wo wir uns ein Kugel Eis am Eiswagen holten um uns gleich wieder über den Rhein zurück nach Frankreich zu Elliot bringen zu lassen.

Weiter ging´s über Haguenau geradewegs nach Nancy. Es wurde langsam dunkel und da wir sowieso tanken mussten, beschlossen wir auf der Raststätte bei Toul zu nächtigen. Der Schreck war groß als Elliot nach dem Tanken nicht mehr ansprang. So ein Mist!

Mit Starthilfeunterstützung einer hilfsbereiten Französin schafften wir es Elliot wieder in Gang zu bekommen und für die Nacht umzuparken. Am nächsten Morgen war dann doch schnell klar, dass unser Aufenthalt nicht nur für die Nacht sein sollte. Durch einen Umbau an der Keilriemenspannvorrichtung, lud die Batterie nicht mehr und alle unsere Versuche zu improvisieren schlugen fehl. Letztlich blieb uns nur, die Anlage in den Zustand zurückzubauen in der sie noch so funktionierte, dass wir die komplette Englandtour letzten Jahres damit schafften und in Kauf zu  nehmen, dass wir mehrere Keilriemen brauchen würden. Mit solchen waren wir ja reichlich ausgestattet 🙂

Da uns aber ein bestimmtes Teil fehlte, waren wir wieder einmal dankbar im ADAC zu sein. Dieser holte das fehlende Teil in Bayern bei FA Kainzmaier (DEM Ansprechpartner wenn es um 319er geht) ab und lieferte es uns nach Toul.

5 Tage, die wir hier also festsaßen! 5 Tage, die wir absolut genossen 😀 Alles in allem hatten wir nämlich so riiiiiiesengroßes Glück mit unserem Pannenort, dass wir sogar nach der Reparatur nochmal einen Tag dran hängten:

Voilá … die wohl schönste Pannenstadt aller Zeiten:

Toul

(Montag, 14.08 – Samstag, 19.08.2017)

Unser erster Weg führte uns natürlich erst mal zur Touristinformation, wo wir uns über diverse Ersatzteil-/ und Campingbedarfshändler schlau machen wollten. Die nette Dame die uns dort bediente, hat uns so liebenswert empfangen und ihre Hilfe angeboten, dass wir im Laufe unseres Aufenthaltes nicht das letzte Mal hier waren. Von Tipps für die Kinder über Obdach bei strömendem Regen bis hin zu einem Fahrdiestangebot (Ralf hätte in einen Baumarkt gesollt) war alles dabei. Hier deshalb einen besonderen Gruss nach Toul ins „officce du tourisme“ an Mmd Rossi und eine Empfehlung an alle Reisenden, sich dort beraten zu lassen.

Direkt neben dem Touristeninformationscenter befindet sich eine unglaublich schöne und vielfältige Kathedrale. Gegen kleines Geld kann man sogar den Turm der Kathedrale Saint-Étienne de Toul erklimmen, aber sie hat auch sonst sehr viel zu bestaunen und zu entdecken. Uns haben 3 Besuche nicht  gereicht um satt zu werden an der Schönheit der vielen Nischen und des Kreuzgangs, der Bischofsgruften und der Kapellen in den Seitenflügeln samt Kuppel.

Leider hat es so geschüttet als wir beim 3. Besuch den Turm besteigen wollten, dass dieser aus Sicherheitsgründen geschlossen blieb. Aber da Toul uns sowieso nicht das letzte Mal gesehen hat, haben wir schon den ersten Event fürs nächste Mal 🙂

 

Und wie zum Höhepunkt wurden wir Abends mit einer Lasershow überrascht, die sowohl auf die Fassade der Kathedrale wie auch vorallem auf das angrenzende Rathaus projeziert und mit passender Musik untermalt wurde. Es ging um die Geschichte Touls und um die Veränderungen die die kleine Stadt im Laufe der Jahrhunderte durchwandelte. Toul bei ist auch absolut sehenswert und wir genossen es besonders, dass wir nun  nicht mehr ganz so kleine Kinder haben und sowas nun endlich auch machbar ist.

 

Rund um Toul herum gibt es auch Einiges zu unternehmen. Zum Beispiel können wir eine Radtour ins nahegelegene Naturschutzgebiet in die Auen entlang der Mosel empfehlen.

Direkt am Wohnmobilstellplatz, der idyllisch an der Stadtmauer gelegen ist, befindet sich ein kleiner Hafen und eine kleine Schleuse. Der Stellplatz hat einen Minispielplatz zu bieten und Plätze mit Stromversorgung die nichts zusätzlich zur Platzgebühr (8,- €) kostet. Ein öffentliches WC befindet sich am Hafen.

Nach 5 Tagen war es dennoch an der Zeit uns Gedanken zu machen, wie es nun weitergehen sollte mit unserem Urlaub. Das Vorhaben nach Noirmoutier zu fahren hatten wir längst aufgegeben, aber ganz ohne Wasser war ein Urlaub für uns nicht vorstellbar. Ein bisschen ließen wir uns von unseren Nachbarn locken – die vom Lac de Madine schwärmten, der sich gar nicht weit von Toul befand. Der direkte Weg wäre 40 km gewesen – aber See statt Atlantik und das ohne Boot ging gar nicht. Wir fuhren also nach Bar le Duc wo uns ein großer Decathlon versprochen wurde. Was wir erst später festellten war, dass die französischen Decathlon bei Weitem nicht das Angebot hatten, das wir (zumindestens von Plochingen) gewohnt waren. Wir suchten im Laufe des Tages noch 2 weitere Sportgeschäfte auf, die allesamt nicht einmal eine Luftmatratze geschweige denn ein Schlauchboot im Angebot hatten. Nachmittags kamen wir also ohne Boot am Lac de Madine an und erlebten gleich die nächste Enttäuschung. Das Ufer war bevölkert von Wohnmobilen, wovon die meisten ein deutsches Kennzeichen trugen. Der allerletzte Rest unseres Französischfeelings, das sich in Toul zart aufgebaut hatte war sofort dahin im pfälzischen Sprachgewimmel.

Lac de Madine

(Samstag, 19.08 – Sonntag, 20.08.2017)

Uns erinnerte das Ufers des Sees eher an eine Art Partymeile mit Kinderanimationsprogramm. Vom Hochseilgarten, Buggyfahren, Hüpfburg bis zum Tretbootlefahren war alles dabei. Dennoch verbrachten wir hier die Nacht und am frühen Morgen fanden Elmo und ich zumindest ein bisschen von der Ruhe und Einsamkeit im angrenzenden Vogelschutzgebiet, die wir uns eigentlich erträumt hatten.

Abends hatten Ralf und ich schon eine Entscheidung getroffen: so nutzten auch wir vormittags einen Teil des üppig angebotenen Kinderprogramms. Nele und Liam sollten sich im Hochseilgarten auspowern, denn inzwischen hatten wir entschieden, dass wir doch noch Kurs auf die Atlantikküste nehmen würden. Kein See konnte uns den Atlantik ersetzen. Wir wollten schnurstracks ohne weiteren Trödeleien an die Küste.

Entschieden – ….. getan!

 

Roye

(Sonntag, 20.08. – Montag, 21.08.2017)

Im strömenden Regen kamen wir nach einer Übernachtung in Roye und 407 km später endlich an der Küste an. Wir hatten den Ort gewählt, der am wenigsten weit vom Lac de Madine entfernt lag und waren nun gespannt, was uns erwarten würde.

Hourdel

(Montag, 21.08. – Mittwoch, 23.08.2017)

Ganz so einladend war unser Eintreffen an der Küste nicht! Es regnete Bindfäden – was uns im Anbetracht der vergangenen Tage egal war: Endlich am Meer…. grau in grau zwar… aber Regenmäntel und Gummistiefel waren schnell ausgepackt und als wir durch die Dünen an den Strand kamen und im Wasser zwei Köpfe mit schwarzen Knopfaugen im diesigen Nebel entdeckten war sofort alles vergessen! Robben! Echte Robben! Damit hatten wir nun gar nicht gerechnet! Was für ein Empfang!

Was wir erst am nächsten Tag entdeckten war,  dass wir ganz zufällig in der größten Robbenkolonie Frankreichs gelandet waren: wir trauten unseren Augen kaum… bei strahlendem Sonnenschein streckte eine ganze Kolonie von mehreren Hundert Robben auf der Sandbank ihre Speckrollen in die Morgensonne.

Die kommenden Tage verbrachten wir vorallem damit, das Kommen und Gehen der Robben mit Ebbe nd Flut zu beobachten. Es war ein unglaubliches Schauspiel wenn sich hunderte von diesen doch gewaltigen Tieren ins Wasser stürzten, wenn das Wasser bei Flut die Sandbänke überschwemmte. Ebenso spannend zu beobachten war, wie sich die schwerfälligen Leiber wieder auf die Sandbänke wuchteten, wenn sich bei Ebbe das Wasser zurückzog.

Doch nicht nur die Robbenkolonie hat Hourdel zu bieten. Neben dem kleinen aber feinen Stellplatz inmitten der Dünen, kann man schöne Spaziergänge unternehmen. Einer davon führte uns in den kleinen Weiler Pointe de Hourdel:

Vom Stellplatz aus gesehen in die andere Richtung führt eine schmale Straße bis Cayeux-sur-Mer. Auch hier kann man wunderschön laufen oder Rad fahren… entlang der Somme oder eben entlang der kleinen geteerten Straße die immer wieder von leuchtend gelbem Sanddorn gesäumt ist.

So vegingen die Tage mit allem was man so am Strand treiben kann und einmal lud uns das Wetter sogar zum Baden ein.

Nette, niederländische Nachbarschaft hatten wir auch auf dem Stellplatz und so kam Elliot auch auf seine Kosten 🙂  – einen Gruß an dieser Stelle von uns an die tolle Magirus-Besatzung:

Nach 3 Tagen und 2 Nächten entschieden wir uns dazu weiter zu fahren. Die Normandie westwärts kannten wir schon von unseren Touren in den Jahren zuvor:

2011 – Normandie Geschichtstour

2013 – Bretagne rundherum / Normandie

und so beschlossen wir zu „neuen Ufern“ , der „Cote Opal nordwärts zu folgen. Angekommen waren wir ja in Hourdel, das zum Département Somme und damit der Region Picardie angehört – diese wollten wir nun Richtung Pas-de-Calais weiter erkunden. Wir umfuhren also großzügig die Somme-Bucht auf der D940. Geologisch gesehen, handelt es sich bei der Somme-Bucht eigentlich um keine Bucht, auch wenn einem das der Name glauben machen will, sondern um eine trichterförmige Flussmündung die von Salzwasser unterspült ist. Da uns der Stellplatz in Crotoy (was gerade auf der anderen Seite der Flußmündung liegt) überhaupt gar nicht gefiel, fuhren wir noch die wenigen Kilometer (6km) nach Rue weiter, wohin uns der Turm des Rathauses (Beffroi) ein Weltkulturerbe des UNESCOS lockte.

Rue

(23.08.2017)

Das Dörfchen wurde von Wikingern, die aus Ry in Jütland kamen, im 9. Jahrhundert gegründet. Bis ins 12. Jahrhundert gab es einen Fischereihafen der im Laufe der Zeit versandete. Für die Winzigkeit des Ortes hat das Dörflein eine Menge alter Gebäude zu bieten. Besonders die kleine Wallfahrtskirche Chapelle du Saint-Esprit hat es uns sofort angetan mit ihren morbiden Bögen und Skulpturen im flämisch-gothischen Stil.

Schon von Weitem zog uns die filigran gearbeitete Fassade der kleinen Wallfahrtskirche die zwischen 1440 bis 1515 errichtet worden war an. Das Innere war noch beeindruckender und wir konnten dem eigentlichen Grund unseres Kommens, dem Rathausturm nämlich, gar nicht mehr ganz so viel abgewinnen.

Geparkt hatten wir direkt vor der Polizeistation mit Blick auf den 1220 erbauten Beffroi. Um so erstaunlicher war, dass wir später Einbruchspuren am Fahrerschloß von Elliot entdeckten. So ein Ärger – aber auch Glück, dass wir den vermeintlichen Autoknacker wohl gestört hatten. Wir ließen uns die Laune nicht verderben und fuhren weiter nach

Quend Plage

(Mittwoch, 23.08. – Donnerstag 24.08.2017)

Auf einem ziemlich großen Stellplatz (mit Entsorgungsstation) inmitten eines Kiefernwaldes fanden wir ein Plätzchen für die kommende Nacht. Der Wald erinnerte uns an die Strandkiefernwälder der Atlantikküste bei Bordeaux und es duftete auch genauso. Leider lag der Platz etwas abseits der wunderschönen Dünenandschaft die wir umständlich zu Fuss erreichten. Trotzdem waren wir mächtig beeindruckt als wir dann am Strand ankamen und Nele stürzte sich trotz bescheidener Temperaturen samt Klamotten in die Fluten.

Gleich am nächsten Morgen pilgerten wir wieder zum weiten Sandstrand, der sich kilometerlang der Küste entlang zieht. Im kleinen Quend Plage hat man sich auf Tourismus eingestellt – es herrschte ein emsiges Treiben und heute war auch ein Flohmarkt, der allerdings sehr für Touristen gemacht schien. Trotzdemgenossen wir den typisch französischen Flair, den auch dieses Örtchen verströmte.

Am Strand angekommen, nahmen wir den Kampf mit der Flut auf! Aber das Schicksal meinte es nicht gut mit uns 😉

 

Noch am Nachmittag, nach ausgiebigem Beachen und Sonnebaden machten wir uns wieder auf den Weg. Schon 54km später erreichten wir unseren neuen Stellplatz. Da wir ziemlich spät dran waren für Stellplatzsuchverhältnisse, mussten wir erst einmal warten, bis ein Platz frei wurde – doch wir hatten Glück, es gab noch einen Wohnmobilisten, der abreiste.

Équihen-Plage

(Donnerstag 24.08. – Sonntag 27.08.2017)

Heeeeeeeeerrlich, was uns hier erwartete! Sieht man einmal von der Kläranlage direkt hinter dem Stellplatz ab, ist das ein wirkliches Kleinod. Spätestens jetzt erschloss sich uns auch die Namensherkunft des 140 km langen Küstenstreifens zwischen Calais und der Authie-Mündung: Côte d’Opale – Die Opalküste zeigte sich uns heute in ihrem schönsten türkis!

Direkt auf den Klippen vor einem Paragleiterstartpunkt gelegen, ist der kleine Platz ausgestattet Ver-/ und Entsorgung. Es gibt keine öffentliche Toilette. In der Umgebung kann man fantastische Spaziergänge unternehmen – immer entlang des Klippenpfades. Wenige Meter entfernt, über den öffentlichen Parkplatz und vorbei am Boulplatz, führen Holzstufen hinab zum endlosen Strand, der bei Ebbe so manche schätze freigibt. Bei Flut ist der gesamte Strand unter Wasser und nicht mehr begehbar. Es ist also ratsam af die Gezeiten zu achten, denn nicht an jeder beliebigen Stelle sind die (trockenen) Höhen der Klippen zu erklimmen.

 

Ein Ausflug führte uns nach Portel, bzw an das vorgelagerte Cap. Das Cap D´Alperch ist in einer guten halben Stunde zu Fuss zu erreichen. Der Leuchtturm dort, der uns aus der Ferne lockte ist eher enttäuschend. Aber der Weg selbst ist wunderschön und führt 2,5km immer dem Klippenkamm entlang mal hoch mal runter. Wir haben diesen Ausflug sehr genossen als Pendant zum Rummümmeln am Strand.

 

Immer wenn sich das Wasser zurückzieht, kommen ganze Heerscharen von Muschelsucher, die sich das Mittagessen von den Felsen glauben. So auch unsere Nachbarfamilie die eigentlich aus Lille stammte… Kurzerhand schlossen sich Nele und Liam der Großfamilie an um auf die Suche zu gehen und fanden dabei sogar eine Seenadel, die verpasst hatte mit der Ebbe zurück ins Meer zu schwimmen. Leider war die Familie nicht davon abzubringen sie mit in´s heimische Aquarium zu nehmen, wie auch die gefundene Krabbe die uns hilflos aus ihrem neuen Plastikzuhause anglotzte.

Ganze 3 Tage blieben wir hier auf dem Platz und für meinen Geschmack hätte ich es auch noch länger ausgehalten. Aber dem Geburtstagskind Elmo ging es so gar nicht gut und wir wollten ungern in Frankreich einen Tierarzt aufsuchen müssen. Auch sonst setzte langsam das Heiweh nach unseren daheimglassenen Tieren bei der jüngeren Hälfte der Besatzung ein.

 

So machten wir uns auf langsam auf den Weg um heimwärts noch eines der beiden berühmten Caps zu erkunden.

Le Cap Gris Nez

(Sonntag 27.08.2017)

Wie der Name schon sagt, erwartete uns hier eine graue Felsnase auf dessen Anhöhe ein Leuchtturm steht. Von hier aus wird der gesamte Schiffverkehr des Ärmelkanals geregelt. Hier befindet sich auch der engste Punkt zwischen England und Europa, der Ärmelkanal – die Distanz beträgt gerade mal 33 km. Leider hatten wir keine so gute Sicht aber man konnte die Klippen von Dover erahnen von denen aus wir genau vor einem Jahr herübergeschaut und am letzten Tag unserer Reise einen Tee am wunderherrlichen Leuchtturm, dem South Foreland Lighthouse genossen hatten:

2016 – Südengland Teil 1  und – Südengland Teil 2

Auch vom Gris Nez aus lassen sich tolle Wandertouren starten, die entweder die geologischen Besonderheiten der Gegend zum Schwerpunkt haben, die einen in die geschichtsträchtige Vergangenheit des zweiten Weltkrieges eintauchen oder einfach die Landschaft geniessen lassen. Wir entschieden uns, in Anbetracht der müden Krieger die wir im Schlepptau hatten, einfach nur einen kurzen Abstecher ins Dörfchen Audinghen am Fusse des Caps zu machen.

Hier in der Gegend gestaltete es sich etwas schwieriger einen Stellplatz zu finden. Überhaupt merkte man am Verkehr dass wir Calais schon sehr nahe waren. In Wissant fuhren wir deshalb schließlich auf den offiziellen großen Stellplatz, der nicht schön war – aber es war schon spät.

Wissant

27.08 – 28.08

Nach dem Abendessen und während Ralf die beiden Zwerge in´s Bett brachte, machte ich einen Abendspaziergang nach Wissant.

Im Ort herrschte emsige Geschäftigkeit – vom Strand her strömten Menschen in Trachten und geschmückte Traktoren wühlten sich durch die sandige Piste gen Heimat. Ein Fest zu Ehren der Fischerei und des Meeres die „Fête du Flobart“ lösste sich gerade auf. Das „Flombart“ ist ein Symbol für Schiffe, das in einer Prozession durch Wissant gezogen wird und anschliessend die Segnung des Meeres erfolgt.

Sehr schade, dass ich das Abschlussspektakel – die Segnung des Meeres – gerade verpasst hatte. Trotzdem gab es einiges zu bestaunen. Besonders die Lage des Ortes hatte es mir angetan: Zur Linken lag im Sonnenuntergang Gris Nez, zur Rechten konnte man deutlich die weißen Felsenklippen von Blanc Nez erkennen – das 2. bekannte Cap das wir uns morgen noch anschauen wollten.

Am Horizont sah man riesige Containerschiffe und schöne Segelboote die durch den Ärmelkanal ihrem Ziel entgegen schipperten. Vor mir breitete sich ein weiter, weißer Sandstrand aus, der dem Ort seinen Namen gab: Wissant nämlich,  ist verwandt mit dem flämischen wit-zand oder dem englischen white sand (weißer Sand).

Die Nacht auf dem Stellplatz verlief ruhig und gleich früh morgens fuhren wir zum 2. Cap, zum Cap Blanc Nez. Wir wollten nicht wie am Gris Nez den Ort mit hunderten von Menschen teilen.

Escalles/ Les Cap Blanc Nez

In Escalles stellten wir Elliot direkt an der Straße ab und liefen etwa 200m den Weg vor zum Strand. Die weißen Kreidefelsen erhoben sich links und rechts von uns in schwindelerregende Höhe und wieder wurden Erinnerungen an unsere Englandtour und den Besuch der Cliffs of Dover geweckt. In den Felsspalten hatten sich Seevögel zum brüten eingenistet und das Meer hatte sich gerade weit zurück gezogen. Fast alleine schlenderten wir über den weiten Strand der ganz unberührt aussah.

Die Morgensonne verlieh dem Ort wunderschöne Farben und es war wie ein Geschenk zum Abschied. Heute nämlich würden wir die Heimreise antreten und für dieses Jahr würde dies unser letzter Strandspaziergang sein, unser letzter Blick auf´s Meer. Tschüß Atlantik!

Die nächste Etappe sollte uns 123 km bis nach Lille bringen. Lille kannten wir nur von unserer gescheiterten Tour 2015, als uns ein Kabelbrand zum Abbrechen der geplanten Englandreise zwang:

2015 – Südengland gescheitert

Trotz aller Widrigkeiten hatte uns die Stadt schon damals in ihren Bann gezogen, von dem Bisschen was wir beim Durchhetzen auf der Suche nach unserem ADAC-Leihwagen sahen. Dieses Mal wollten wir jedoch nicht in die Innenstadt – wir hatten ja noch eine längere Fahrt vor uns und so war zum Ausgleich der bevorstehenden Fahrt ein Kinderprogramm angesagt:

Der Zoo von Lille sollte es sein, der auf unserer Agenda stand.

Dieser liegt eingebettet in die Anlage der Zitadelle und beherbergt mit seinen 3,5 ha ca 450 Tiere. Damit ist er ein eher kleiner und überschaubarer Zoo – genau das richtige für uns als Zwischenstopp auf der Heimreise also. Da Hunde keinen Zutritt hatten, fletzte sich Ralf mit Elmo und einem Buch bewappnet in einen der vielen Parks, die die Mauern der Zitadelle säumten.

Bevor es weiter ging wechselten wir noch prophylaktisch den Keilriemen um vor unliebsamen Überraschungen des Nachts gewappnet zu sein. Nur um Abend zu essen und um uns die Beine zu vertreten, hielten wir nochmal in irgendeinem Dörfchen mit interessanten Mosaikstelen zwischen hier und dort…. keine Ahnung mehr wo das war….

Tatsächlich schafften wir es noch bis zur A4 hinter Dinant in Belgien, bevor wir schlaftrunken und müde vom vielen Fahren in unsere Betten fielen. Da machte es nun auch nichts, dass wir auf der nächst besten Autobahnraststätte standen. Witzigerweise hatte sich des nachts ein Wohnmobil zu uns gesellt dass sich am nächsten morgen auch als „Nachbarn“ von zu Hause entpuppten. Die Familie aus Balzholz war wie wir auf dem nach Hauseweg – allerdings kamen sie gerade aus Schottland.

Nach einem kurzen Stopp zum Abkühlen von Elliot an den Pforzheimer Bergen kamen wir Abends nach gefahrenen 1799 km zu Hause an 🙂