Normandie Geschichtstour 2011

Schon lange hegten wir den Plan, einmal die Normandie zu bereisen. Jetzt, wo auch Luca  großes Interesse an Geschichte im allgemeinen und der deutschen Geschichte im Speziellen zeigte, war der richtige Moment für die Verwirklichung der Normandiepläne gekommen. Schnell war eine Tour herausgearbeitet und das nötige Wissen drumherum abgestaubt und aufgefrischt und mit Familienfilmabenden bezgl der Landungsstrände und den Vorkommnissen im 2. Weltkrieg flankiert.

Die Frage die uns schon länger beschäftigte, wer mit wem in welchem Gefährt wohin in Urlaub fahren sollte erübrigte sich damit: Alle in der blauen Elise in die Normandie – JETZT!

Ab Karlsruhe wollten wir uns entlang der Maginot-Linie (Ligne Maginot) vorarbeiten.

Diese zieht sich bis an den Atlantik und bildet eine Linie aus Bunkern die als Verteidigungssystem entlang der französischen Grenze zu den angrenzenden Ländern (Belgien, Luxemburg, Deutschland und Italien) errichtet wurde. Sie wurde zwischen 1930 bis 1940 gebaut, um Angriffe aus diesen Nachbarländern zu verhindern bzw. abzuwehren.

Weit kamen wir jedoch nicht, denn unser Licht gab plötzlich den Geist auf und es dämmerte schon. So machten wir in Haguenau auf dem Intermache Parkplatz notgedrungen Halt und verbrachten hier die erste Nacht.

Haguenau

Donnerstag 4.08- Freitag 5.08.2011

Gleich morgens stürmten wir den Intermaché und das Glück war uns hold: Es gab ein passendes Birnchen für unsere Blaue Elise. Ab Metz hielten wir auf Verdun zu – dem ersten großen bedeutungsschweren Ort unserer Tour durch die Geschichte.

Verdun

Den ganzen Tag verbrachten wir in und um Verdun herum und befassten uns mit der Schlacht die so tiefe bis heute sichtbare Furchen in die Landschaft und die Erinnerung der Menschen gegraben hat. Da es aber zu regnen begonnen hatte, sparten wir uns die Erkundung der Stadt selbst für ein anderes Mal auf und fuhren weiter.

Reimes

Freitag 5.08 – Samstag 6.08.2011

Die Nacht verbrachten wir auf einem hässlichen Aldiparkplatz inmitten eines Industriegebiets von Reimes. Aber es musste ja auch nicht schön sein. Wir wollten ja gleich morgens wieder Fahrt aufnehmen und das taten wir auch. Wir fuhren und fuhren und stießen irgendwann (in Dieppe) an den Rand des Landes.  Das Meer! Immernoch oder schon wieder regnete es, was wenig einladend erschien und so fuhren wir noch weiter bis St.Valery-en-Caux wo wir einen Stellplatz direkt unter steiler Küste fanden.

St. Valery-en-Caux

Samstag 6.08 – Montag 8.08.2011

So wirklich gastlich sah es auch hier nicht aus – aber trotz des trüben Wetters machte sich schnell Ferienstimmung breit: immerhin hatten wir das Mer vor der Bustüre!

Nach einem Erkundungsspaziergang am nächsten Morgen, beschlossen wir hier erst mal zu bleiben. Für jeden hatte der Ort der jenseits des Hafens lag etwas zu bieten: Für KleinNele gabs einen tollen Wasserspielplatz direkt am Strand, die vielen Fischer ließen Lucas neue Anglerleidenschaft erblühen. Für Nitja gabs viele wunderschöne alte Häuser mit geschnitzten Verzierungen und wettergegerbten Fassaden und für Ralf: tataaaaaaa eine heiße (!) Dusche, die für 1,20€ genossen werden konnte. Wahnsinn!

Nach zwei Nächten brachen wir dennoch auf Richtung Süden immer der Küste entlang.

In Fécamp statteten wir der Tourist-Information einen Besuch ab, wo wir uns mit Kartenmaterial eindeckten und auch gleich einen geschickten Parkplatz fanden um einen Strandspaziergang zu unternehmen. Hier war heute der Wellengang wirklich beeindruckend.

Yport schien touristisch über voll zu sein und auch Etretat quoll über von Menschen. Als wir uns endlich mit Elise hindurchgekämpft hatten und ein Parkplatz in sicht kam wollte sich keiner mehr in diese Menschenmassen begeben und so ließen wir den Ort mit den berühmten Kreidefelsen ungesehen hinter uns.  Wir suchten uns lieber ein Plätzchen abseits der Hauptstraße. Dies fanden wir schließlich in Saint-Jouin-Bruneval am Hafen, wo uns ein ganz neu angelegter Stellplatz direkt am Strand empfing. Es gab hier auch einen Kleinkindspielplatz und Toiletten… die besten Voraussetzungen also um unser Nachtlager aufzuschlagen.

Saint-Jouin-Bruneval

Montag 08.08 – Donnerstag 11.08.2011

Noch vor dem Abendessen machten wir uns daran, die Kreidefelsen zu erklimmen.

Der Blick von hier oben war gigantisch und man sah auch die gesamte Anlage des Saint-Jouin-Plage wo sich die blaue Elise von der bisherigen Reise auf dem Parkplatz erholte. Der Strand hatte auch bei Ebbe einige Überraschungen zu bieten und so blieben wir gleich 3 Nächte. Wir verbrachten die Zeit mit Lesen, Planschen, auf dem Spielplatz spielen, Krebse fangen… Luca entpuppte sich zum wahren Muschelsammler und -puler, nachdem ihn unsere Nachbarn in diese Kunst eingeführt hatten – nur essen wollte er dann doch keine.

Elmo zu Liebe rissen wir uns hier nach 2 Nächten los, da er weder auf dem Strandspielplatz noch auf dem dahinterliegenden Strand tagsüber frei springen konnte… Wir ließen Le Havre rechts von uns liegen und überquerten wenig später die wirklich beeindruckende Pont de Normandie, die über die Seine nach Honfleur führt. Honfleur ist ein unglaublich beeindruckender Ort mit uralten Gebäuden. Doch dieses Mal durchquerten wir das Örtchen ohne es länger in Augenschein zu nehmen. Wir hielten kurz am Schmetterlingshaus, aber nur um Baguette zu besorgen flitzte ich schnell zwischen den uralten Gassen hindurch. Hier würden wir irgendwann auf jeden Fall mit mehr Zeit und hoffentlich weniger Menschen reinschauen.

Merville-Franceville-Plage

Donnerstag 11.08 – Samstag 13.08.2011

Unser nächster Stellplatz sollte ein schönes Fleckchen direkt hinter den Dünen sein. Der kleine Ort Merville-Franceville-Plage meint es gut mit Wohnmobillisten und hat eine kostenlose Stellmöglichkeit (mit Entsorgungsstation) für uns Busliebhaber geschaffen. Der Platz ist relativ klein, für ca 7 Fahrzeuge normaler Größe. Am westlichen Rand des Ortes, nur durch einen bewachsenen Dünenstreifen vom Strand getrennt.

Zur Strandpromenade des Örtchens kann man bequem zu Fuss gehen und wie scheinbar alle Orte der Normandie, gab sich auch dieser sehr kinderfreundlich. Es gab hier einen schönen Spielplatz im angelegten Park der sich entlang des Ufers zieht. Geht man vom Stellplatz aus vom Ort weg, gelangt man schnell auf einen breiten festen Sandweg, der durch dünige Landschaft führt und wie soll es anders sein, an etlichen Bunkern vorbei die wie Mahnmale zwischen den Sanddünen hocken. Die deutsche Batterie von Merville wurde 2004 zum historischen Monument ernannt. Auch die Redoute von Merville, eine Festung von 1779 die zwischen 1940 und 1944 als Bollwerk diente, haben wir unter die Lupe genommen. Luca wurde nicht müde, jeden einzelnen Bunker mit Taschenlampe bewaffnet auszukundschaften.

Gleich am Samstag morgen brachen wir von hier auf. Der Weg führte uns geradewegs zu den Landungsstränden, vorbei an Quistreham das schon zum Strandabschnitt Sword Beach gehörte über die Brücke, die damals als erste eingenommen wurde. Ab jetzt folgten wir der Küstenstrasse die immerwieder von Panzern, Bunkern und Museen zum D-day gesäumt war. Sword beach gefolgt von Juno Beach, dann Gold Beach vorbei am künstlichen Hafen zwischen Asnelles und Arromanches les Bains. Bei le Chaos machten wir zum ersten mal Halt. Es hatte schon wieder zu nieseln begonnen – aber irgendwie passte das zur Stimmung und hielt uns nicht davon ab die Batterie d´Allmagne von Longues-sur-Mer zu besichtigen. Sie ist die einzige deutsche Küstenbatterie in der gesamten Normandie im Atlantikwall die noch erhaltenen Kanonen hat.

Bis Omahabeach fuhren wir nun einfach weiter und liesen die Umgebung, die Mahnmale, Panzer und Monumente an uns vorrüber ziehen. Hier entlang kann sich wohl keiner der Konfrontation mit unserer deutschen Vergangenheit entziehen. Wir waren gleichermassen überrascht wie bedrückt bezüglich der allgegenwärtigen Geschichte – jeder hing seinen eigenen Gedanken nach… In Saint-Laurent-sur-Mer unterhalb des riesigen Soldatenfriedhofs von Colleville-sur-Mer machten wir das zweite und letzte Mal für heute Halt.

Saint-Laurent-sur-Mer

Samstag, 13.08 – Montag, 15.08.2011

Wie eigentlich an jedem anderen Ort auch, starteten wir zunächst ein Erkundungsspaziergang. Weil wir noch ganz erschlagen waren von der Besichtigung der Geschützstellung bei Batterie d´Allmagne die sich erbitterte Kämpfe geliefert hatten, schlenderten wir zunächst an den Strand, der auch heute noch „Bloody Omaha“ genannt wird. Im Angesicht der damaligen schrecklichen Ereignisse hier waren wir irritiert mit welcher unglaublichen Schönheit der Strand sich jetztvor uns ausbreitete. Ein wahrer Traumstrand empfing uns, die letzten Badegäste packten grad ihre Badetücher ein, Kinder jagten sich johlend über den Strand… wir kamen uns vor wie im falschen Film. Aber was hatten wir denn erwartet? Eigentlich klar, dass auch an einem solchen Strand gesandelt und der Bauch in die Sonne gestreckt wurde – und während wir Erwachsenen noch komplizierte Dinge dachten und uns in Beklommenheit verhedderten, hatte sich Nele längst hineingestürzt ins Sandvergnügen. Und das war auch gut so!

Bis zum Omaha Beach Memorial das bei Flut vom Wasser umspült wird liefen wir, um uns dann müde wieder auf den Rückweg zu begeben und in den Busbauch zurück zu ziehen. Morgen war ja auch noch ein Tag!

Am Morgen genossen wir die scheinbareUnberührtheit, in der der Strand da lag. Die Flut hatte nachts die ganzen Fussabdrücke der sonnenbadenden Menschenmassen vom Tag zuvor weggewischt.  So Vieles hatte die Flut hier über Nacht schon weggewischt! Noch kein Mensch war unterwegs.

 

In einem der vielen Berichte und Dokumentationen über die Landungsstrände hatte Luca gehört, dass bis heute Munition und andere Utensilien die vom damaligen Geschehen zeugten gefunden wurden. Sein Schatzsuchertrieb war geweckt und so verbrachten wir den ganzen Tag doch erst mal am Strand.

Wärend Luca unermütlich buddelte, verweilten wir uns die Zeit damit, Nele zu bespaßen: erst buddelten wir auch, dann wurde eine Bootstour unternommen und ein Purzelbaumwettbewerb war dann der Höhepunkt des Tages im Kinderprogramm.

Auch die nächste Nacht verbrachten wir hier um uns dann gleich morgens Richtung Ortschaft aufzumachen, wo es ein D-Day Museeum gab.

Nach dem Aufstehen und einem heißen Kaffe und einem warmen Kaba hieß es also Abschied nehmen vom Omaha Beach, der uns gleichzeitig faszinierte wie erschaudern ließ.  Wir setzten die blaue Elise in Gang und tuckerten die 2 km durch gen Museeum.

Dieses empfing uns mit einem Sherman-Panzer und einer amerikanische „Long Tom“- Kanone auf dem Vorplatz.

 

Das letzte Bild zeigt einen Plan der Invasion den wir im Museeum entdeckten. Der dort abgebildete Ort war die letzten zwei Nächte unser Schlafplatz gewesen, wo damals nach stundenlangem Kampf schließlich der Vorstoss der Alliierten gelang. Nach dem Museeumsbesuch wussten wir dann auch, was Ralf am Vortag im Gebüsch gefunden hatte. Es war ein Schwimmgürtel eines Soldaten gewesen (wie im zweiten Bild zu sehen).

Ich möchte hier gerne auf eine homepage hinweisen, die mich sehr beeindruckt hat:

http://thefallen9000.info/

Als wir aus dem Museeum kamen, hatte der Tag erst begonnen und so beschlossen wir noch einen weiteren geschichtsträchtigen Ort aufzusuchen:

Pointe du Hoc und St. Mere Eglise

„Point du Hoc ist ein 500 Meter langer und etwa 30 Meter hoher Abschnitt an der Steilküste an der Calvadosküste in der Normandie etwa 6,4 km von dem von den Alliierten Omaha Beach getauften Strandabschnitt entfernt. Am D-Day, während der Operation Overlord im Zweiten Weltkrieg, schaltete ein US-amerikanisches Ranger-Bataillon bei Pointe du Hoc deutsche Stellungen aus.“ (Quelle: Wikipedia)

Nur 38 km weiter, befindet sich die berühmte Kirche von Sainte-Mère-Église

Hier in dieser zum Strandabschnitt Utha-Beach gehörenden Stadt war am frühen Morgen des D-Days, dem 6. Juni 1944, zwischen 14.000 und 15.000 alliierte US-amerikanische Fallschirmjäger im Zuge der Operation Overlord gelandet. Die Übernahme des Ortes sollte durch die 82. US-Luftlandedivision erfolgen. Allerdings kam es durch einen Absetzfehler zu Verschiebungen.

Bekannt wurde der Ort aber vorallem durch das Missgeschick des amerikanischen Fallschirmjägers John Steele. Er ( und ein weiterer junger Fallschirmspringer) blieb mit seinem Fallschirm an einem der Ecktürme des Kirchturms hängen und konnte sich nicht wieder befreien.

 

Nach diesem doch sehr anstrengenden Tag und nach allem was wir besichtigt hatten beschlossen wir geradewegs ans Meer zu fahren um nach einem Plätzchen für die Nacht zu schauen.

Wir wurden wieder Erwarten sofort fündig und standen mit anderen Womos direkt am Strand bei Grand Hameau des Dunes nahe Ravenoville. Der Strand schien sehr muschelreich und wunderschön zu sein – das wollten wir vor dem Schlafen noch erkunden. Es tat gut sich beim abendlichen Strandspaziergang den Kopf vom wind freipusten zu lassen…

Grand Hameau des Dunes

Montag 18.08 – Mittwoch, 20.08.2011

Einen ganzen Tag hatten wir nun nochmal um die Seele baumeln zu lassen, Muscheln zu suchen und mit Elmo über den Strand zu toben. Dann wollten wir langsam die Heimreise antreten.

Den letzten Tag hier genossen wir in vollen Zügen und zu guter Letzt gab es sogar noch einen Bootebauwettbewerb mit anschließendem Rennen. Wahrscheinlich fahren die beiden Boote noch heute um die Wette – irgendwann haben unsere Augen die kleinen Punkte auf dem Meer verloren und bis heute herrscht Uneinigkeit zwischen den Männern im Haus, wer das Rennen damals gemacht hat 😀

Am Start waren die beiden Kontraheten Luca mit seinem Megaspeedboot …. (hach ich weiß den Namen nicht mehr) und Ralf mit seinem Überraketenboot „Meersau“

Es blieb spannend bis zum Schluß. Wer genau hinschaut kann im letzten Bild links die Böötchen erkennen… :

 

Sogar Abspülen macht in der Frischluftküche am Strand fast Spaß 🙂

Nach zwei Nächten schnürten wir auch hier unser Ränzchen um in aller Gemütlichkeit den Rückweg anzugehen. Leider ist es trotzdem immer irgendwie so, dass wenn die Kilometer weniger werden eine unsichtbare Macht nach Hause zieht. Seltsamerweise verabschiedet sich das Urlaubsgefühl immer am äußersten Punkt auf der Landkarte um einfach dort zu verweilen… auch fieß irgendwie… Trotzdem versuchten wir uns nicht hetzen zu lassen und fuhren über den Utha Beach und mit allerlei anderen schönen Haltepunkten wieder Richtung Heimat.