Vendée – Rumtreibertour 2020

WIE alle anderen Reisevögel auch, waren wir vor die grosse Frage gestellt: Wohin reisen in einem Jahr wo sich Corona in der ganzen Welt ausgebreitet hat. An Ostern hatten wir unseren geplanten Tauchurlaub in Ägypten abgesagt, an Pfingsten die Fähre nach Korsika storniert. Elliot  war zwar angemeldet aber mehr als 3 Tage Brombachsee hatte die Lage bisher nicht zugelassen. Deshalb war schnell klar: jetzt im Sommer entscheiden wir von Tag zu Tag, je nach Entwicklung und Bekanntmachung neuer Risikogebiete – lassen uns einfach treiben – eine richtige Rumtreibertour.

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Am Mittwochabend ging’s los und nach Prüfen aller aktuellen Risikogebiete auf der Seite des Auswärtigen Amtes, entschieden wir uns Kurs Richtung Frankreich aufzunehmen. Elliot hatte schon das ganze Jahr auf diesen Moment gewartet und sprang sofort an. Bis Soufflenheim zuckelte und schnaufte er tapfer bergauf, bergab. Wir wären auch noch weiter gefahren, hätten uns heisse Felgen und qualmende Bremsen nicht davon abgehalten. So ein Mist! Nothalt und erstmal ein Nachtspaziergang durchs beschauliche Städtchen Soufflenheim im Elsass, durch das nun der beißende Gestank unserer qualmenden Bremsen zog. Schnell war klar, dass die Weiterfahrt heute nichts mehr werden würde. Da wir inzwischen sowieso schon fast Mitternacht hatten, war das auch gar nicht so tragisch. 140km waren geschafft und insgeheim bangte jeder, dass damit auch schon das Ende der Tour erreicht war.

Soufflenheim

(Mittwoch 12.08. – Donnerstag 13.08. 2020)

Wie um das vorzeitige Ende des noch nicht einmal richtig begonnenen Urlaubs hinauszuzögern, spazierten wir morgens gleich noch einmal ganz ausgiebig durch Soufflenheim. Aber nach dem Morgenspaziergang und einem stärkenden Frühstück kamen wir nicht mehr drum herum der nächtlichen Tatsache ins Auge zu schauen. Wir testeten ganz ausgiebig die Bremsen, erst auf dem Parkplatz, dann auf einer Nebenstrasse, ….  zur großen Überraschung und Freude aller, war alles in Ordnung, nichts saß fest und wir konnten tatsächlich unsere Fahrt wieder aufnehmen. Jetzt war es Zeit sich zu entscheiden wohin es gehen sollte….

Vor 3 Jahren hatte ich schon einmal eine Tour ins Vendée inklusiv Bretagne-Umrundung ausgearbeitet. Damals blieben wir wegen Keilriemenproblemen in Toul hängen und disponierten dann um zur Picardie / Pas de Calais Tour. Warum also nun nicht das damals Versäumte nachholen? Schnell war die Strecke festgelegt: über Troyes, Orleans und durchs wunderschöne Tal der Loire mit seinen herrschaftlichen Schlössern wollten wir an den Atlantik gelangen und dort irgendwo unterhalb der Ile de Noirmoutier an die Küste stoßen.

So machten wir das auch. Die erste Nacht wollten wir in einem Wäldchen vor Orleans verbringen. Die Kinder waren bereits im Bett und wir hatten gerade gemütlich unsere Lämpchen und Lichterketten aufgehängt und eine Flasche wein geöffnet, als wir von Hornissen attackiert wurden. Es dauerte ein weilchen bis wir überhaupt realisierten dass es sich um Hornissen (mitten in der Nacht!) handelte. So schnell hatten wir noch nie unsere 7 Sachen wieder zusammengerafft und nachdem wir es irgendwie geschafft hatten auch die 3 verirrten, wild brummenden Hornissen aus dem Bus zu buxieren, machten wir uns erneut auf die Suche nach einem Plätzchen. Das fanden wir in Jargeau  direkt am Ufer der Loire.  Der Rest der Nacht war ruhig und den kommenden Tag verbrachten wir vorallem auf der Piste, denn die zwei jüngsten der Besatzung hatten es plötzlich total eilig ans Meer zu kommen.

Notre-Dames-des-Monts

(Freitag 14.08 –  Donnerstag 20.08.2020)

Nach insgesamt 1095 gefahrenen Kilometern landeten wir in Notre-Dames-des-Monts an der Atlantikküste. Nahe dem Strand gab es dort einen Wohnmobilstellplatz, den wir erst einmal anfuhren. Der Motor war kaum aus, schon stürmten wir los: Das Meer begrüßen!

Da wir uns etwa 100 km vor der Küste einen unserer Reifen platt gefahren hatten, fuhren wir am nächsten morgen einen Campingplatz an, um die Zeit des Wartens auf einen neuen Schlauch mit Elliot sicher zu stehen und auspacken zu können. Ohne Ersatzrad auf dem Dach wollten wir ungern weiter, außerdem hatte ein zweiter Reifen was abbekommen.

Der Camping Municipal l’Orgatte ist ein schlichter aber wunderschön gelegener Platz inmitten eines Kiefernwaldes direkt am Meer. Es gibt unzählige Pfade durch den verwunschenen Wald, verschlungene und gerade, verwachsene und offene. Allesamt wollten sie von uns ausgekundschaftet werden und so störte uns dieser voraussichtlich etwas längere Aufenthalt auch nicht.

Der Strand selbst war durch eine herrliche Dünenlandschaft hindurch zu erreichen und war überhaupt nicht  überlaufen. Ungewöhnlich für diese Zeit, wie wir von einigen anderen Campern erfuhren. Insgesamt war es wohl so, dass Corona seinen Einfluss spüren ließ – hier auf dem wohl sonst völlig überfüllten Campingplatz wie überall anders auch – wo wir noch hinkommen sollten. Auf dem Campingplatz um uns herum gab es nur ganz vereinzelte nicht-französische Camper.

Ganze 5 Tage sollten wir auf dem Campingplatz auf unseren Schlauch warten. Das erfuhren wir aber erst später. Da es ohne zu übertreiben der schönste Pannenort aller Zeiten war, nahmen wir das ohne zu Murren hin – auch wenn sich dadurch unsere Pläne die Bretagne zu umrunden in Wohlgefallen auflöste und sich die Rumtreibertour somit eher zur Faulenzertour entwickelte.

Drachensteigen lassen, Dünenwanderungen, Trimm-Dich-Pfad bei Regenguss, ausgedehnte Strandtage mit Wikingerschach-Partien und Hängemattenstunden füllten unsere kommenden Tage. Uns wurde auch beim Faulenzen ganz bestimmt nicht langweilig…

Nach den vergangenen Wochen im homeschooling und der eher gereizten Stimmung an den Schulen und auch zu Hause, genau das Richtige um langsam runter zu kommen, abzuschalten und die  wiedergewonnene Bewegungsfreiheit zu genießen. Der Campingplatz war so leer, dass es auch keine Staus oder Menschenansammlungen auf den Toiletten oder beim Duschen gab – wo (wie in Deutschland auch) Maskenpflicht herrschte.

Etwa 10 Minuten braucht es, um vom Campingplatz durch den verwunschenen Kiefernwald über verschlungene Waldpfade zum Ortszentrum zu gelangen. Dort gab es (natürlich unter Coronaauflagen) einen nächtlichen Flohmarkt – den wir uns nicht entgehen ließen. Ansonsten hat das Örtchen ein Naturschutzzentrum und kleinere Lädchen zu bieten.

Nachdem dann aber nach 5 Tagen der Ersatzreifen da und wieder auf dem Dach von Elliot festgezurrt war, zog es uns doch weiter die Küste hinauf. Allzu weit fuhren wir nicht, denn schon 10km  weiter nördlich lag eines meiner heimlichen Ziele, das längst auf der Reisewunschliste standen:

Ile de Noirmoutier

(Donnerstag, 20.08. – Sonntag 23.08.2020)

Bisher hatten wir den Besuch der Halbinsel gemieden – da hier unter normalen Umständen im Sommer die Hölle los ist. Nach unserer Erfahrung der letzten 5 Tage jedoch, keimte in uns die Hoffnung, dass es in diesem verrückten Jahr auch auf der Insel vielleicht ruhiger zugehen könnte. Der Verkehr Richtung der Hauptverbindungsbrücke belehrte uns jedoch eines anderen: bis aufs Festland stauten sich die Autos zurück. Anders als ursprünglich geplant fuhren wir also erst mal an der Zufahrt vorbei und tuckerten weiter bis zur berühmten

Passage du Gois

Die  Passage Gois ist die zweite Verbindung zur Ile de Noirmoutier und eine straßenbauliche Kuriosität. Sie ist nämlich nur bei Ebbe befahrbar, da sie bei Flut bis zu  4,5m unter Wasser liegt. Die gepflasterte Straße die die Insel mit dem Festland verbindet ist 4,5km lang und obwohl die Zeiten für Hoch- und Niedrigwasser an der Passage angezeigt werden, kommt es immer wieder zu Zwischenfällen mit Fußgängern und Fahrzeugen im steigenden Wasser.

Auf der gesamten länge der Straße stehen in regelmäßigen Abständen Rettungstürme, die gnutzt werden können falls man doch einmal von der Flut überrascht wird. Im Volksmund werden sie laut Wikipedia als „Mâts de perroquets“ (Papageienmasten) bezeichnet. Die Vorstellung während der Flut für mehrere Stunden auf einem der Papageienmasten festzusitzen, erschien uns wenig verleckend. Diese haben nämlich im Gegensatz zu den 3 Hauptrettungstürmen keine Plattform.

Als das Wasser langsam wieder stieg und an unseren Füssen lecken wollte, schlenderten wir wieder zurück aufs Festland um noch einmal unser Glück zu versuchen auf die Halbinsel zu gelangen. Beim zweiten Anlauf war uns das Schicksal wohlgesonnen und Elliot tuckerte mit Schnauffen und Brummen über die Hauptbrücke. Zunächst steuerten wir den Hauptort der Insel an. Da uns dort der Stellplatz aber so überhaupt nicht gefiel, fuhren wir doch flux weiter bis zum Ende der gerade mal 20 Kilometer langen Insel. Im westlichsten Zipfel, in L’Herbaudière wartete ein wunderschöner Platz mit direktem Blick auf den Atlantik auf uns. Dieser Stellplatz ist einer von 5 offiziellen Wohnmobilstellplätzen  und liegt direkt hinter dem Rathaus am Rande der Ortschaft. Er hat eine kleine Toilette, Entsorgungsmöglichkeit und auch Plätze mit Strom zu bieten. Zwischen 21:00 Uhr und 8:00 Uhr wird eine Parkgebühr von 6,90 € erhoben. Wir parkten Elliot mit seiner Nase in den Wind und dem Blick aufs offene Meer.  So schön kann das Leben sein.

Dass wir noch einen Platz in erster Reihe ergattern konnten, überraschte uns doch sehr nachdem ja morgens so ein Andrang auf die Insel zu sein schien. Umso glücklicher schätzten wir uns und zur Krönung des Tages gab es ein leckeres Hochzeitstags-Abendvesper mit Blick auf den Atlantik:

Der darauffolgende Abendspaziergang war nicht weniger spektakulär. Unglaublich, die Schönheit der rauhen Landschaft, die Schönheit des Meeres und die Ruhe hier – und noch unglaublicher die  wohltuende Menschenleere.

Hier an der Nordwestspitze der Insel Noirmoutier diente die Bucht Anse de l’Herbaudière schon im 17. Jahrhundert den Lotsenbooten am Eingang zur Loire als Zuflucht. Wind und Wetter haben hier die Küste geprägt und es ist immer ein Wind zu spüren, der einem um die Ohren pfeifft. Wir hatten das Gefühl im Paradies gelandet zu sein. Im rauen Paradies des Atlantiks

 

Als wir morgens aufwachten, hatte sich das Meer zurück gezogen und gab Felsen und Gumpen voll mit Schätzen frei, die gefunden werden wollten.  Bewaffnet mit Schaufeln und Flaschen zogen wir los um stundenlang im Sand zu pulen.

Später wollten wir die südlich gelegenen Strände erwandern die da lagen, soweit das Auge reichte. Vorbei am Plage de Lutins stapften wir durch den Sand bis zum Plage de Luzéronde. Der Wellengang hier war enorm und nichts für Schwimmanfänger oder Familien mit kleinen Kindern.

Aber auch außerhalb des Wassers kann man sich hier gut die Zeit vertreiben und eine Menge Spaß haben. Der Sand lädt ein zum Graben und Bauen und sobald sich das Meer zurück zieht, tummeln sich hier die Strandfischer. Strandfischen hat hier auf Noirmoutier eine besondere Tradition und es gibt eigens dafür ausgewiesene Strandabschnitte. Hier an den Stränden von Herbaudiere finden sich: rosa Garnelen, Strandschnecken, Venusmuscheln, Strandkrabben und Austern.

Wir beliessen es aber lieber beim Buddeln und Tropfburgen bauen 😉

Nachdem Nele beim Wellenspringen von einer Welle erfasst und mit mehreren Saltos zurück an den Strand katapultiert wurde, sah sie aus wie eine kleine Meerjungfrau.

Der Seetang war auch nach mehreren Kämmversuchen nicht mehr aus ihren salzig-verfilzten Haaren zu kriegen. Ein guter Zeitpunkt abends noch den nahegelegenen Campingplatz nördlich von unserem Stellplatz aufzusuchen und bei dieser Gelegenheit auch dem Ort selbst  mit seinem Hafen einen Besuch abzustatten.

Schon zu Beginn des Jahrhunderts war der Fischerhafen von L’Herbaudière hauptsächlich ein Sardinenhafen. Die zahlreichen „Pinasses“ (kleine Sardinenfangschiffe) mit ihren Mannschaften aus Noirmoutier leisteten einen umfangreichen Fischfang. Auf der Insel gab es damals 4 Konservenfabriken, die fast den gesamten Sardinenfang verarbeiteten. Als die letzte Konservenfabrik 1965 geschlossen wurde, überlebte der Hafen dennoch, dank des Seespinnen- und Krabbenfangs. 1973 wurde dann ein Jachthafen eingerichtet, die 1. Marina in der Vendée. Bereits 1976 wurde der Hafen dann durch eine umfangreiche Ausbaggerung zu einem tiefen Dockhafen, der nicht mehr von den Gezeiten abhängig ist. Heute umfasst er 574 Bootsliegeplätze. Im Ort selbst herrschte emsiges Treiben rund um den Hafen und den angekündigten Flohmarkt am kommenden Tag wollten wir uns unter keinen Umständen entgehen lassen.

Die reine Neugier war es, die uns nach dem Flohmarkt dann doch noch weitertrieb. Wir wollten auch noch andere Orte der Insel kennenlernen und so gaben wir diesen unsagbar schönen Stellplatz auf und tuckerten mit Elliot weiter. Zwischen Austernfischereien und den für die Insel so typischen Salzgärten hindurch auf schmalen holprigen Pisten, tug uns Elliot nach

Le Vieil

Samstag, den 22,08.2020

La Vieil ist ein malerischs Dorf, das aus hübschen weiß-getünchtenen Häuschen besteht, die sich wie hingewürfelt aneinander schmiegen.

Fast alle Gässchen führen früher oder später an den Strand, wo sich das Leben des Ortes abzuspielen scheint. Eine winzige Kapelle und ein Einkaufsladen, mehr scheint man hier nicht zu brauchen.

Durch das Örtchen  und dessen Gassen ist man schnell hindurch geschlendert und man wird den Eindruck nicht los, dass dies beschauliche Nest sich noch im Dornröschenschlaf befindet und irgendwie übersehen wurde von den touristischen  Massen. Aber vielleicht lag auch das einfach am Coronasommer in dem nichts so war wie sonst.

Als wir zu Elliot zurückkehrten war es gerade mal Mittag. Was anfangen mit dem angebrochenen Tag? Und um der Rumtreibertour alle Ehren zu machen, trieben wir uns einfach weiter rum auf der kleine Insel. Wieder vorbei an Salzfeldern, die rund ein Drittel der Insel bedecken. 100 Salzbauern gibt es hier noch. Allesamt ernten auf natürliche Art und Weise in alter Tradition und von Hand ihr Salz.

Wir steuerten nun einen Stellplatz in Barbâtre an. Dieser lag direkt gegenüber eines Campingplatzes, hatte eine Toilette und war gerade mal 300m vom Meer entfernt. Da es aber leicht anfing zu regnen, machten wir es uns erst mal in Elliot gemütlich. Der Schauer war schnell vorbei und so konnten wir die Umgebung erkunden. Ganz anders war es hier im vergleich zum äußersten Zipfel der Insel, wo die Schroffheit der Landschaft das Bild bestimmte und der Wind rauh war. Hier schien die Vegetation viel zarter und die hügelige Dünenlandschaft sanfter zu sein.

Am Wasser stösst man auf einen 7 km langen Sandstrand der sich in einem sanften Bogen bis nach La Guérinière zieht und die Bucht von Bourgneuf bildet.  Obwohl der Strandzugang auch vom Campingplatz genutzt wird, hatte man auch hier das Gefühl nahzu alleine zu sein. Der Sandstrand ist so riesig, dass es sich alles wunderbar verteilt.

Bevor wir die Insel nach einer ruhigen Nacht verließen, hatten wir noch etwas ganz Besonderes auf dem Programm. In la Guérinière gab es ein Schmetterlingshaus, dass wir gleich Sonntagfrüh besuchen wollten. Allen Hundebesitzern sei gesagt: auf dem Parkplatz gibt es auch schattige Plätzchen. Wir konnten Elmo guten Gewissens im Bus lassen, da es sowieso kein sonniger Tag war und Elmo seinen Platz direkt über den Wassertanks hat – perfekte Kühlung garantiert.

L´lle aux Papillions

(Sonntag, 23.08.2020)

Das Schmetteringshaus liegt etwas abseits im Industriegebiet und es ist nicht ganz leicht zu finden. Mit Navi aber kein Problem, drum hier für Euch die Daten:  5 rue de la Fassonière, 85680La Guérinière

Es gibt unzählige Exemplare die allesamt frei fliegen und ein Besuch lohnt sich trotz des stattlichen Preises von 9,-€ für Erwachsene und 6,70€ für Kinder auf jeden Fall. Es gibt Schlupfkästen in denen man die Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling in allen Stadien live miterleben kann.

Durch das Einbahnstraßen Prinzip und den koordinierten Einlass war es uns bezüglich Corona zu keinem Zeitpunkt zu eng oder sonst irgendwie komisch zumute. Trotz Einbahnstraße hatte man alle Zeit der Welt, sich die einzelnen Tiere anzuschauen – es gab kein Drängeln und keine Hektik. Schmetterlinge gab es aus allen Ecken der Welt zu sehen und in allen erdenklichen Größen und Farben.

Wer ambitioniert war und die entsprechenden Voraussetzungen zu Hause hatte, konnte sich sogar Puppen erwerben um selbst zu Hause Schmetterlinge schlüpfen zu lassen.  In einem kleinen Kinoaum gab es einen Film zur Entwicklung der Schmetterlinge, der auch für Kinder absolut sehenswert, weil gut verständlich ist.

Uns faszinierten außerdem die ganzen exotischen Pflanzen und Blüten, die es noch zu sehen gab. Zusätzlich hat das Schmetterlingshaus auch noch ein Koifischbecken und verschiedene Arten von exotischen Vögeln. Alles in allem ein schöner Sonntagmorgen mit dem wir dann voller Eindrücke und Erlebnisse getrost Abschied nehmen konnten von der Ile de Noirmoutier.

Da wir unseren Keilriemen schon lang nicht mehr gewechselt hatten (der aber gewohnheitsmässig alle 2000km reißt) trauten wir uns die Fahrt über die Passage de Gois nicht wirklich und so verließen wir die Insel wieder über die Hauptbrücke. Anschließend hielten wir uns dann aber geradewegs Richtung Norden, vorbei an der Passage die Gois gen Saint Nazaire. Schon auf dem Weg zur Passage de Gois und nun auch auf dem Weg der Küste entlang Richtung Saint Nazaire, kamen wir immer wieder an Fischerhütten vorbei, die teils auf Stelzen im Meer standen und an langen Ruten große quadratische Netze aufgespannt hängen hatten. Diese wunderschönen Bretterhütten mit ihren Netzen haben es mir total angetan und auf meinen Recherchen im Netz bin ich darauf gestossen, dass man diese Technik der Fischerei „pêche au carrelet“ nennt. Die großen quadratischen Netze werden ins Wasser gelassen und bis auf den Grund abgesenkt. Mit einer Mehl-/Gewürzpampe werden hunderte von kleinen Fische wie zB der Éperlan angelockt und gefangen indem das Netz nach einigen Minuten möglichst schnell angehoben wird.

Leider war beim Abfahren der Küste jedes unserer ausgeguckten Ziele völlig überlaufen. Von Poric, über den Plage de Sablons vorbei an Port Girauld… voll voll voll ! Mist! Und kaum, dass wir uns versahen fuhren wir auf Saint Nazaire zu – gar nicht gut. Kurzerhand entschlossen wir die Stadtumgehung zu nutzen und hinter Saint Nazaire unser Glück zu versuchen. Bei Pornichet bogen wir wieder Richtung Küste ab und fanden bei Plage de Sainte-Marguerite doch tatsächlich einen Parkplatz obwoh hier ganz Saint Nazaire zum Sonntagsbad zu sein schien.

Der Strand war wider Erwarten gar nicht so überlaufen wie uns die vollen Parkplätze hatten befürchten lassen. Den restlichen Tag verbrachten wir also damit die Sonne zu genießen und das Eis aus Elliots Kühlfach zu plündern. Als sich sowohl der Strand als auch die Straßen langsam leerten war es Zeit einen Stellplatz zu finden. Dieses Mal lief die Suche besser –  gleich die nächste Bucht um die nächste Biegung herum, sollte unser Domizil werden:

Plage des Jaunais

(Sonntag, 23.08 – Dienstag, 25.08.2020)

Mit einem gemütlichen Abendspaziergang machten wir uns die Umgebung bekannt. Es würde unser letzter Strandplatz sein, denn der Urlaub neigte sich schon langsam dem Ende zu und wir wollten unsere Kajaks noch irgendwo auf der Loire ins Wasser bringen. Was wir jedoch so gar nicht erwartet hatten direkt vor den Toren einer Stadt war, was wir hier vorfanden: Wir waren total überwältigt von der Schönheit der kleinen Buchten die sich wie aufgefädelte Perlen aneinander reihten. Jede einzelne Bucht war durch eine kleine steinerne Treppe erreichbar. Hier wollten wir bleiben – und weil es so schön war gleich doch noch für 2 Nächte.

Der Strand befand sich gleich  gegenüber der Strasse, Dort war auch ein kleiner Picknickpark mit sanitären Anlagen und  ein wenig weiter ein Wohnmobilstellplatz. Wir zogen es trotzdem vor an diesem Ende des Strandes zu bleiben, wo es recht einsam war.

Vom Picknick-Park aus lud ein kleiner Küstenpfad dazu ein bewandert zu werden. Und während der Rest der Horde dem Strandleben fröhnte, machten sich Elmo und ich auf den Weg mit Rucksack und dem Vorhaben, die Fischerhütten auf Stelzen zu erkunden. Immer weiter schlängelte sich der Zöllnerpfad auf und ab.

Einen Strand nach dem anderen ließ ich hinter mir – vorbei am Point de chemoulin, über den Plage de la Petite Vallée, den Plage du Grand Traict und weiter zum Plage de Saint Eugène. Am Plage de Monsieur Hulot hatte ich noch immer keine Fischerhütten gefunden und mein Magen machte sich langsam bemerkbar. Baguette aufzutreiben war mein zweites Vorhaben gewesen – blöd dass alle Geschäfte und Bäckereien zu hatten. Das Schicksal schickte mir aber wie zum Trost meinen ersten Baguetteautomaten – ich wusste bis dahin gar nicht, dass es soetwas überhaupt gibt und  ich traute meinen Augen kaum, als dieser tatsächlich knusprig warmes Baguette ausspuckte. Da war es auch nicht mehr schlimm, dass ich keine Hütten gefunden hatte und machte mich mit Baguettes bewaffnet wieder auf den Heimweg.

Dort war der Rest der Horde emsig am Staudammbauen. Hunger hatten sie aber genauso denn langsam neigte sich auch dieser zweite Tag am Strand Jaunais zu Ende. Ein wunderschöner Sonnenuntergang, ein guter französischer Wein, ein Brautpaar dass sich samt Hochzeitskleider in die Fluten stürtste und ein anhängliches Mädchen aus Nantes, machte den Abend zu dem was er war: ein wunderschöner letzter Abend am Atlantik.

Morgens hieß es aber endgültig Abschied nehmen. Das war ja nun nicht nur ein Abschied von diesem einen Strand sondern vom ganzen Atlantik und wir waren ganz schön wehmütig und dankbar zugleich, dass wir es in einer  so verrückten Zeit überhaupt ans Meer geschafft hatten. Wir hatten schon einen Tag verlängert und wollten in Saint Nazaire genug Zeit haben um noch etwas anzuschauen….

Die Stadt hatten wir schnell erreicht und erst jetzt realisierten wir, wie nahe doch diese wunderschönen Strände an Saint Nazaire selbst liegen. Es war auch der Weg den ich Tags zuvor gewandert war, den Elliot nun mit uns im Bauch zurücklegte.

Saint Nazaire

(Dienstag, 25.08.2020)

In Saint Nazaire selbst steuerten wir den Hafen an, der der 4 größte Frankreichs ist. Hier gibt es auch die alte U-Boot Basis und das U-Boot Espadon zu sehen. Das stand heute auf unserer Agenda. Da durch Corona die Anmeldung jedoch online lief und irgendetwas bei der Buchung schief gegangen war, mussten wir zunächst noch Zeit überbrücken. Das war aber in einer stadt wie Saint Nazaire kein Problem.

In der Werft, der Wiege der Meeresriesen, staunten wir über die großen Kreuzfahrtschiffe die hier an Land lagen und gerade erst neu aufgebaut wurden. Legendäre Ozeandampfer wie die „Normandie“ oder die „France“ wurden hier schon gefertigt. Nachdem wir uns wegen eines Regenschauers in eine Kirche flüchteten stabilisierte sich das Wetter nach und nach.

Es reichte gerade noch für einen kurzen Einkaufsbummel, dann ging unsere U-Boot-Tour schon los.

Die 78 Meter lange Espadon wurde in Le Havre gebaut, lief 1958 vom Stapel und nahm 1960 ihren Dienst auf. Sie lag nun hier in einem stillgelegten Teil der U-Bootbasis im wasser und wir stiegen gespannt die Treppen hinab, direkt in ihren U-Boot-Bauch.

Kaum vorstellbar, dass 65 Menschen auf diesem engen Raum bis zu 5 oder 6 Tagen unter Wasser bleiben konnten. Die Elektromotoren des U.Boots brachten es auf eine Geschwindigkeit von 16 Knoten an der Oberfläche und 18 Knoten unter Wasser, das entspricht einer Geschwindigkeit von ungefähr 29 und 32 km/h. Die Espadon hatte insgesamt 25 Jahre lang alle Weltmeere befahren.  Am 8. Mai 1964 tauchte sie während einer Erkundungsfahrt im hohen Norden unter dem Packeis durch und wurde damit zum ersten französischen U-Boot, das nördlich des Polarkreises an die Oberfläche kam.

Vom Laufgang über den Lauschposten bis zum Torpedoraum, enge Kojen, eine einzige Dusche, die Kapitänskajüte … alles konnte von uns angeschaut werden und wir wurden mit einem Audioguide nach und nach in das Leben im U-Boot eingewiehen. Nach der Besichtigung waren wir so voller Eindrücke, dass wir gar nichts anderes mehr anschauen wollten sondern einfach mit Elliot ins Tal der Loire einbogen und so lange fuhren, bis es Zeit war einen Schlafplatz anzusteuern. Den fanden wir bei Angers am

Lac de Maine

(Dienstag 25.08 – Mittwoch, 26.08.2020)

Der Lac de Maine liegt nur wenige Gehminuten vom Sadtzentrum von Anger entfernt am Flussufer. Wie eine kleine grüne Insel ragt der Park in das Stadtgebiet hinein. Auf einem öffentlichen Parkpatz gegenüber eines Campingplatzes fanden wir ein ungestörtes Plätzchen, das nah genug am See lag um morgens unsere Kajaks ans Ufer zu tragen.

Der See verfügt über verschiedene Breiche wie Umweltzonen, Badezonen und Zonen für Wassersport und unmotorisierte Boote. Um den see herum gibt es Spielplätze, eine Segelschule und morgens beim Brötchenholen waren mir Scharen von Joggern auf den Versen. Wir erkundeten den gesamten See vom Wasser aus und machten im überwachten Badebereich Rast. In den entlegeneren Bereichen waren Wasservögel zu entdecken und auf dem schmalen damm der den See vom Fluss trennt können schöne Spaziergänge unternommen werden.

Zum Glück war heute ein toller Sonnentag – so trockneten die Kajaks schnell und konnten entgültig für die Heimfahrt auf dem Dach von Ellot festgezurrt werden. Unseren restlichen Tag machten wir so viel Strecke wie es Elliot uns erlaubte. 225km schafften wir, bis kurz vor Orleans, wo wir in einem kleinen Park in La Chapelle-Saint-Mesmin direkt am Ufer der Loire ein schönes Fleckchen fanden.

La Chapelle-Saint-Mesmin

(Mittwoch 26.08 – Donnerstag, 27.08.2020)

Früh wollten wir uns wieder auf den Weg machen und so fiel das Frühstück auch nicht all zu üppig aus. Eine kurze Gassirunde und schon ging es weiter. Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Piste. Fahren, fahren, fahren und da wir abends noch eine heimliche Verabredung hatten von der Nele und Liam noch nichts wussten, gabs da auch überhaupt keinen Kompromiss, was den Schlafplatz anging. Wir mussten irgendwie Toul erreichen…. und so fuhren und fuhren wir, durch schönen Ortschaften, träumerische Landschaften, auch durch langweilige Gegenden und an Jahrmärkten vorbei…. 395km, was für ein Alltagsauto ein Klacks ist – mit Elliot aber eine echte Herrausforderung und Tagesreise. Waaaaaahnsinn!

Aber die Anstrengung lohnte sich absolut. Denn pünktlich am frühen Abends erreichten wir Toul, ließen es hinter uns um nochmal ca 20 km weiter einen Parkplatz an der Mosel anzusteuern.  Wir kamen nur kurz nach unserer Verabredung an, die schon strahlend auf uns warteten 🙂

Liverdun

(Donnerstag, 27.08. – Freitag, 29.08.2020)

Größte Kinderüberraschung, bestes Wiedersehen, Freundinnenglück, abendliches Moselbad und gemächlicher Abendschmaus <3 Schöner kann ein Urlaub doch nicht ausklingen und für  andere beginnen 😉

Nach einer gemeinsamen Nacht, einem gemütlichen Frühstück und einem Morgenspaziergang trennten sich unsere Wege auch schon wieder. Ein kurzes aber sehr feines Wiedersehensintermezzo … Elvis fuhr mit seiner Besatzung an den Atlantik und wir fuhren mit Elliot weiter in heimatliche Gefilde. Wie schön dass sich unsere Wege gekreuzt haben, hier und daheim und immer wieder ….

Nach einem ganz gemeinen stau kurz vor zu Hause, einem nervenaufreibenden Umweg durch Pforzheim und weils „so schön“ war auch noch eine Umfahrung wegen Autobahnvollsperrung durch Stuttgart, kamen wir fix und fertig daheim an. Nach genau 2314 km hatte uns das Schwabenland wieder 🙂

 

 

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