Picardie – Schlüssel versenkt – Sommer 2018

Es war einmal…..

so fangen die allermeisten Märchen an, an deren Ende dann eine Prinzessin ihren Prinzen heiratet!

Aber was hat das nun hier im Reisebericht von uns Busverliebten verloren? Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja,….. !!!! Die Busverliebten haben sich getraut – aber eher ziemlich spontan und zunächst auch ganz schön unromantisch…

Da hatten wir aber nicht mit Nele, der unverbesserlichen HardcoreRomantikerin gerechnet – und so hatten wir deshalb zumindest ein graviertes Schloß am Bein unserer Korsika-Möwe vor dem Haus befestigt.

Aber auch das reichte nicht aus um Neles romantische Ader zu befriedigen. und etwas undurchdacht für den kleinen Quälgeist war es auch. Die Frage blieb nämlich: Wohin mit dem Schlüssel?

Und so wurde aus der spontanen Hochzeit, ein spontaner Urlaub…. eine Hochzeitsreise mit dem Ziel – einen Schlüssel im Meer zu versenken.

… denn wohin anders als in den tosenden Atlantik, gehört ein Busverliebten-Hochzeitsschloss-Schlüssel! Romantik hin oder her … da führte tatsächlich kein Weg dran vorbei. Innerhalb weniger Tage war der Plan gefasst, ein passendes Häuschen gefunden (was echt eine Leistung war so Mitten in den Sommerferien) denn klar war auch – für eine Tour mit Elliot war die Zeit zu knapp. Elliot ist nicht so der Typ für spontane Touren – auch wenn es ein Frevel war, ihn genau zu einem solchen Anlass zu Hause stehen zu lassen! Dieselpest auf unser Haupt!! 5 Tage später, am 25.08.2018 ging`s dann auch schon los!

Es war ganz ungewohnt für uns eine Anreise nicht in mehreren Tagesetappen machen zu müssen. Wir fuhren einfach blitzeschnell durch und machten nur in Luxembourg eine etwas längere Pause um uns die Beine zu vertreten.

Luxemburg

Samstag, den 25.08.2018

 

Melleville

(Samstag, 25.08 – Samstag, 1.09.2018)

Unser Feriendomizil lag in der Picardie im kleinen Örtchen Melleville, nur etwa 15 km landeinwärts östlich von Treport und hatte alle Annehmlichkeiten die man sich so wünscht: ein riesengroßer, eingezäunter Garten erfreute Elmos Herz, eine tolle Sonnenterasse auf der das Frühstück doppelt so gut schmeckte und nur 15km zum Strand. Was will man mehr?

Natürlich mussten wir auch gleich noch nach Ankunft das Meer begrüßen… und obwohl wir ja schon genug auf dem Hosenboden im Auto gesessen hatten, rafften wir uns nach dem Einchecken nochmal auf, um den ersten Sonnenuntergang des Urlaubs am nächstgelegenen Strand zu genießen.

Criel-sur-Mer Plage

Criel sur Mer ist wie die gesamte Normandie bekannt für seine Kreidefelsen. Die sogenannte Alabasterküste zieht sich 120 km lang von Le Havre bis Treport. Auch hier am Plage de Criel-sur-Mer war die Landschaft von den weißen Riesen geprägt. Der Mont Joli Bois und das Tal der Yères umrahmen den Strand von Criel-sur-Mer. Der Strand selbst wird von kleinen bunten Badehäuschen geziert, die einen schönen Farbtupfer in der eher Ton in Ton Landschaft abgeben.

Auch die kommenden Tage machten wir immer wieder Ausflüge zu den verschiedenen Orten entlang der Alabasterküste.

Treport und Mers-les Bains

( Sonntag, 26. August 2018)

Einer der wohl bekanntesten Orte davon ist Trèport. Treport und Mers-les-Bains grenzen direkt aneinander und werden nur durch den Hafenkanal getrennt.

Poissonnerie Municipale

Direkt am Hafen findet sich auch die hiesige Fischhalle der Gemeinde (Marché aux Poissons). Uns zieht es dort eher aus Neugierde hin, um zu sehen, was so in den Gewässern in denen wir baden alles unterwegs ist. Frischer Fisch, von Seezungen, Makrelen, Heringen bis hin zu Schalentieren, Tintenfischen, Krabben,…. alles findet hier der Feinschmecker.

Gleich nebenan zwischen alten Häusern in kleinen Gassen, war heute ein Flohmarkt der Anwohner im Gange. Kistenweise schleppte jeder und jede vors Haus um überflüssigen Krempel aber auch kleine Raritäten feil zu bieten.

Was den Ort Treport außerdem bekannt macht, ist der Schrägaufzug, der seit 2006 im Betrieb genommen wurde und die ursprüngliche Standseilbahn von 1908  ersetzt. Mit ihm gelangt man auf ein Plateau oberhalb der Stadt und gleichzeitig in die das höher gelegene Wohnviertel. Wer sportlich ambitioniert ist kann den Weg aber auch über eine Treppe zurücklegen.

Von oben hat mein einen herrlichen Blick über Treport und Mer-les-Bain und man erkennt gleichzeitig die Departements Grenze, die beide Ortschaften in Form des Flusses Bresle voneinander trennt.

Gemütlich lässt es sich wieder hinab schlendern vorbei an schönen Gebäuden, die so typisch sind für die normannische Fachwerkbauweise, getüncht in allen Farben.

Ault

(Montag, 27. August 2018)

Nur etwa 10 km der Küste entlang Richtung Nord – NordWest, befindet sich das kleine, beschauliche Küstendörfchen Ault. Ault gehört genauso wie Mers-les-Bains zum Departement Somme. Eigentlich besteht die kleine Gemeinde aus drei Ortsteilen. Bourg ist der Ortskern, im Süden liegt der Weiler Bois-de-Cise und im Norden liegt Onival. Heute hatte es uns nach Bourg gezogen – und das aus einem ganz bestimmten Grund: wir hatten ja eine Mission zu erfüllen:

Schlüssel versenken!

Dafür hatten wir uns diesen Ort ausgesucht und der Tag schien gerade zu perfekt dafür zu sein. Riesige Wellen schlugen mit gewaltiger Wucht gegen die Stadtmauer sodass wir Gefahr liefen, nass zu werden.

Es war ein beeindruckendes Schauspiel, wie die Wogen ein ums andere Mal heranrollten und direkt vor unseren Füssen brachen. Hier war der richtige Ort, jetzt war der richtige Zeitpunkt.

Weit und mit aller Kraft schleuderten wir unseren Schlüssel der nächsten, heranrollenden Welle entgegen, die ihn mit lautem Tosen in sich aufnahm, wie einen zu hütenden Schatz. Und nahm sie ihn mit sich – hinaus in die Weiten des Atlantiks.

Für immer <3

Als wir nach einem kurzen Küstenspaziergang zurückkehrten erinnerte nichts mehr daran, wie wild das Meer gerade noch gewogt hatte.

Das Wasser hatte sich zurückgezogen und wir betraten den Strand der eben noch eine tosende Hölle war. So sehr wir auch suchten – der Schlüssel blieb verschwunden… stattdessen hatte uns das Meer etwas anderes da gelassen

Busverliebtes Heiratsglück.

Quend Plage

(Dienstag, 28. August 2018)

Damit war unsere Reise aber längst noch nicht beendet. Es folgte ein Bade-/ Strandtag in Quend Plage, das wir schon aus vorherigen ElliotUrlauben kannten.

Gamache

(Dienstag, 29. August 2018)

Der Dienstag begrüßte uns morgens mit regnerischer Stimmung. So beschlossen wir heute die nähere Umgebung zu erkunden. In Gamache hatten wir auf der Anreise eine Kirche gesehen, die wir als erstes in Augenschein nahmen. Leider war die Eglise Saint-Pierre et Saint-Paul geschlossen und auch sonst gab es nicht viel über diesen Ort in Erfahrung zu bringen. Aber manchmal ist es auch schön, sich einfach mit dem was man sieht zu begnügen.

Eu

Weiter ging es also in den nächst größeren Ort Richtung Küste, der gleich mehrere architektonische Sehenswürdigkeiten zu bieten hatte.

Das Château d’Eu, das inzwischen zum Museum umfunktioniert wurde, betrachteten wir nur von außen.

Dann gab es noch die wunderschöne frühere Stiftskirche Notre-Dame und St. Laurent O’Toole die ursprünglich eine Abteikirche war. Zwischen 1186 und 1240 wurde sie erbaut und ist als historisches Baudenkmal gelistet.

Sie ist der Begräbnisort des hl. Laurent O’Toole (Erzbischof von Dublin) der hier am 14. November 1180 auf einer diplomatischen Mission starb und später wurden hier auch die Grafen von EU beigesetzt.

Langsam klarte das Wetter auch wieder auf und einem Strandspaziergang stand nichts mehr im Wege. Wir durchschlenderten noch das Örtchen, das wie Mers-les-Bains geprägt war durch die wunderschön bunten normannischen Fachwerkshäuschen

Bevor sich der Urlaub zum ende neigte, wollten wir noch das Mühlendorf Veules Les Roses besuchen. Bisher waren wir in Anbetracht der schwierigen Parksituation mit Elliot immer nur vorbei gefahren. Jetzt, mit dem PKW war das überhaupt kein Problem.

Veules Les Roses

Der Ort liegt, ebenso wie viele andere Orte der Alabasterküste, in einer Einbuchtung der so typischen Kreidefelsküste. Hier mündet der Fluss Veules in den Ärmelkanal. Mit einer Länge von 1149 Metern ist der Veules der kürzeste Fluss Frankreichs. Das Örtchen ist bekannt für seine vielen Mühlen, die entlang des Flüsschens liegen und den Eindruck erwecken, als wäre hier die Zeit stehen geblieben. Der Ort gehört zu einem der Ältesten in der Gegend und im Sommer tummeln sich scharen von Touristen. Ansonsten leben gerade mal 594 Menschen hier.

Auf dem Rückweg legten wir ein Stopp am Phare d`Ailly ein. Da dieser aber inzwischen in privater Hand ist und es auch rundherum nicht allzuviel zu sehen gibt, trollten wir uns schnell wieder.

Den Urlaubsabschluß begingen wir mit einer Kutschenfahrt. Zum Leidwesen von Elmo, der ein Heulkonzert anstimmte in dem Moment als sich die Kutsche in Bewegung setzte und wir uns von ihm entfernten. Obwohl (natürlich) Ralf bei ihm zurückgeblieben war, hörte er mit seinem Gejaule erst auf, als wir nach der kleinen Rundfahrt wieder ausstiegen. Im war das gemeinsame Abschlussbeachen dann noch viel lieber.

So ein 7 tägiger Spontanurlaub ist ganz schön schnell vorbei und wenn man nicht mit Elliot unterwegs ist – verhält es sich mit der Heimreise genauso. Keine Panne, kein Übernachtungsstopp und schneller als wir „Urlaub“ sagen konnten, waren wir schon wieder zu Hause. Zuhause wo die Korsikamöwe mit ihrem Schloss am Bein uns jeden Tag an unseren Schlüssel erinnert, der behütet vom Atlantik irgdenwo dort draußen ist.