Pannenfrei nach Sardinien (Nord-/ Westküste) – Pfingsten 2019

Korsika verzeih! Wir fahren nach Sardinien!

Sardinien war für uns eigentlich gar nie wirklich eine Option gewesen… war doch unsere altbekannte und viel bereiste Lieblingsinsel Korsika immer ganz oben auf der Agenda gestanden.

1. – weiter weg und

2. dann auch noch Italien! genügten uns bisher als Gegenargument.

Warum es dann doch Sardinien wurde, lag einfach daran, dass wir mal was Neues ausprobieren wollten …. und siehe da:

Wunderschönes Neuland haben wir da für uns entdeckt und um es gleich vorweg zu nehmen: Die Sarden sind ein unglaublich nettes, offenes und zuvorkommendes Völkchen und busverliebt obendrein!

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Am Sonntag, den 9.06.2019 machten wir uns auf den Weg. Dieses Mal getrennt, denn ich hatte in Bonn noch eine Fortbildung und der Rest des Rudels fuhr schon mal bis in die Schweiz um „Strecke“ zu machen. Um die Zeit bis zu meinem Eintreffen zu überbrücken, nahm die Vorhut die Zirkularfestung „Munot“  im Zentrum der schweizerischen Stadt Schaffhausen in Augenschein. Die Festung nebst Parkplatz auf dem Emmersberg bot sich als Treffpunkt wegen ihrer Nähe zum Bahnhof an und gilt als Wahrzeichen der Stadt. Sie beherbergt auch ein kleines Wildgehege, was uns wiederum für die Kinder attraktiv erschien.

Mit Auto, Bus und Bahn und Cityroller nahm ich die Verfolgung meines Rudels auf und wir trafen uns tatsächlich ohne Zwischenfälle in Schaffhausen im strömenden Regen! Was für eine Logistik 😀

Des Wetters wegen beschlosssen wir nach meinem Eintreffen gleich weiter zu fahren und wider erwarten schafften wir am selben Abend sogar noch den Gothardtunnel. Etwa 10 km abseits der Strecke fanden wir per park4night App unseren Stellplatz für die Nacht:

San Mamete (IT)

(Sonntag, 9.06 – Montag, 10.06.2019)

Ein lauschiges Plätzchen direkt am Luganer See in einem winzigen Örtchen. Morgens wachten wir mit einem wunderherrlichen Seeblick und Sonnenschein auf. Der Arbeitsstress der uns noch gestern bis hierher verfolgt hatte, war im Angesicht dieses schönen Morgens schnell abgeschüttelt.

Zu schön war das Örtchen um gleich weiter zu ziehen. Ein öffentlicher Pool direkt zu unseren Füssen und hinter uns ein Dörfchen das mit steinernen Häusern den Berg hinaufkletterte, wollte entdeckt werden von uns.

Hier hätten wir auch noch ein paar Tage verweilen können – aber es half alles nichts: unsere Fähre legte heute Abend in Genua ab…. und es gab noch einige Kilometer zu schaffen. Elliot schnaufte munter bergauf, bergab und ohne irgend einen Zwischenfall kamen wir – (deshalb) viel zu früh – in Genua an. Die übrige Zeit nutzten wir um das Städtchen in Augenschein zu nehmen, von dem wir schon so viele Male unsere Inselabendteuer gestartet hatten. Bisher war noch nie Zeit geblieben Genua selbst zu erkunden.

Genua

(Montag, 10.06. – Dienstag, 11.06.2019)

Mit Elliot ist es schon so, dass uns immer ein Stein vom Herzen fällt, wenn wir erst einmal auf der Fähre sind. Jedes Vorglühen und Zünden ist spannend und mit Herzklopfen verbunden… aber: es lief alles reibungslos und Elliot nahm seinen Platz im Bauch der Tirennia Fähre ein.

Schnell war ein Schlafplatz gefunden und schon legte die Fähre ab und tauchte hinein ins Schwarz der Nacht. Als der Morgen graute verschwand gerade die vertraute Shilouette von Korsika am Horizont – ein ganz komisches Gefühl und kurz machte sich Wehmut breit. Vor uns tauchte Sardinien auf und die Neugier auf das neue Fleckchen Erde wuchs.

Die Fähre war nicht besonders voll gewesen obwohl es Pfingsten und bereits Juni war. Wahrscheinlich lag das daran, dass eigentlich Olbia die Hauptverbindungsstrecke ist. Als wir die Fähre in Porto Torres verliessen und uns Richtung Westen hielten wurde es dann noch menschenleerer. Unser erster Strand den wir schon zu Hause ausgesucht hatten lag an der Westküste:

Porto Palmas

(Dienstag, 11.06. – Mittwoch 12.06. 2019)

Der Strand eignet sich hervorragend zum Ankommen, wenn man eine Fähre nach Porto Torres gebucht hat! Von Porto Torres liegt er nämlich gerade mal 30 km entfernt. Es gibt einen geschotterten (leider nicht ganz ebenen) Parkplatz direkt am Strand. Folgt man der Sandpiste (Sentiero Costa Nurra) weiter und lässt den Parkplatz links liegen, kommt man noch zu weiteren Stellmöglichkeiten oberhalb des Strandes.

Wir hatten Glück und ergatterten einen einigermassen ebenen Platz direkt auf dem Parkplatz, von dem ein schmaler Trampelpfad direkt an den wunderherrlichen Strand führt.  Am anderen Ende des Strandes befindet sich eine Bar mit kleinem Kiosk und Toiletten. Tagsüber war diese gut besucht und es herrschte emsiges Treiben und Vorbereiten auf die Hauptsaison. Abends genossen wir den Strand ganz für uns alleine – absolute Stille und ein ganz unglaubliches Farbenspektakel hieß uns auf Sardinien willkommen.

Morgens wachten wir voller Tatendrang auf. Was gibt es herrlicheres als direkt vor der Bustüre in solch unglaublicher Kulisse zu Frühstücken? Das Meer war heute viel ruhiger und so war klar: erst mal Strand.

Unser diesjähriges Pfingstmotto hatten wir auch schon gefunden –  Neles Idee bekam den Zuschlag:

An jedem Strand den wir besuchten wollten wir, jeder mindestens eine Hand voll Müll absammeln, bevor wir uns ins Badevergnügen stürzten.

Erfreulicherweise kristallisierte sich dieses Motto im Nachhinein an einigen Stränden als ganz schön schwierig heraus – weil es einfach mancherorts sehr sauber war – aber dazu später.

Den Vormittag genossen wir noch in dieser schönen Bucht doch trieb uns bald die Neugier weiter. Ausserdem wurden schon die ersten Vorbereitungen für die berühmte Sardegna Ralley getroffen und unser lauschiges Plätzchen schien direkt auf der Rennstrecke zu liegen. Morgen sollte das Rennen eröffne werden und wir konnten nur erahnen was dann hier los sein würde.

Maristrella

(Mittwoch 12.06. – Donnerstag 13.06.19)

Unser Weg führte weiter der Westküste entlang Richtung Alghero, wo wir in der Bucht von Maristrella in einem Palmenwäldchen einen schattigen Platz für uns fanden. Da wir am kommenden Tag eine Tour zur Neptungrotte geplant hatten, war dies der ideale Schlafplatz. Die Bucht war so ruhig, dass wir unsere Schnorchelsachen und das Kajak auspacken konnten. Während fleissig aufgepumpt wurde konnte ich die letzten Arbeitsmails erledigen und dann das Laptop für den Rest des Urlaubs wegpacken 🙂 JETZT war auch ich endgültig angekommen!

In der Nacht hatten wir Besuch von irgendwas Großem – in solchen Momenten bin ich wirklich unheimlich froh um unsere vierbeinige Begleitung. Ohne zu Zögern schlug Elmo das große Etwas, das sich um unseren Bus herumtrieb in die Flucht. Mit Taschenlampen bewaffnet versuchten wir noch rauszubekommen um was es sich gehandelt hatten, aber die (beeindruckenden) Spuren im Boden konnten wir nicht wirklich zuordnen. Urgs!

Trotzdem schliefen wir gut und es gab auch keine weiteren Störungen mehr. Morgens machten wir uns relativ zuügig auf den Weg, da wir damit rechneten, dass die Neptungrotte ein wahrer Touristenmagnet sein würde.

Grotte di Nettuno

Die Neptungrotte ist eine ca 2 Mio Jahre alte Grotte die nur wetterabhängig begangen werden kann. Der Eingang liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel und kann entweder über den Seeweg oder über eine wirklich beeindruckende Treppe die in die Steilwand gehauen wurde erreicht werden. Wir entschieden uns für die Treppe: die Escala del Cabirol (deutsch: Rehleiter), was sich schon alleine als Attraktion herausstellte. Rund 650 Stufen mussten von uns pro Weg erklommen werden. Teils wurden diese direkt in den Fels gehauen, teils angebaut – die Stufen wechseln sich immer wieder ab mit einem Pfad der sich in schwindelerregender Höhe um die Felsen windet und teilweise auch durch die Felswand führt.

Die Steintreppe wurde 1959 fertiggestellt und bietet immer wieder einen atemberaubenden Blick auf die Steilküste von Capo Caccia. Gerade beim Aufstieg waren wir sehr froh darüber, dass wir so früh dran waren. Denn als die Sonne langsam um die Felsen kroch als wir schon fast oben waren, bekamen wir einen kleinen Eindruck davon, wie es sein musste den mühsamen Aufstieg in praller Sonne machen müssen.

Die Höhle selbst kann nicht auf eigenen Faust erkundet werden. Jede volle Stunde startet eine Tour, der man sich anschließen kann. Der Eintritt ist mit 13 € für Erwachsene und 7 € für Kinder nicht gerade gering, wird aber erst unten direkt am Höhleneingang verlangt. Hunde dürfen übrigens mit in die Höhle – aber die 654 Stufen sollten bedacht werden wenn man den Ausflug mit hund plant (Gelenke).

Wir hatten das Glück, dass wir kurz nach dem Start einer Tour unten ankamen und uns der Höhlenguide trotzdem Einlass gewährte. So hatten wir zumindest im ersten Teil der Höhle die Gelegenheit ganz alleine durch diese bizarre Märchenwelt zu wandern.

Die Höhlentour selbst wurde auf Englisch gehalten und gab interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte und Erschließung des 4 km langen Höhlensystems. Für uns war dieser Ausflug in die unterirdische Welt mit Stalaktiten, Stalagmiten und Stalagnaten sowie einem Salzwassersee ein absolut lohnenswertes Erlebnis.

 

Es war noch früh als wir wieder oben bei Elliot ankamen und eigentlich wollten wir uns heute noch Alghero anschauen. Als wir uns jedoch im Verkehrschaos in den engen Gassen des Städtchens wiederfanden beschlossen wir so schnell als möglich weiter zu fahren. Auch hier fand nämlich das Autorennen statt und wir waren mitten in die Nominierung der Fahrer geraten.  Als wir das Ortsausgangsschild kreuzten und es wieder ruhiger wurde auf der Strasse atmeten wir erstmal durch – schnell war entschieden was nun mit dem angefangenen Tag anzustellen war: ein schöner Strand musste her! Die Küste von Alghero die auch als Korallenküste bekannt ist, ist 90 Kilometer lang und beherbergt so manches Strandjuwel – eines davon war schnell gefunden!

Keine 7 km später nämlich, stießen wir auf einen Parkplatz direkt an einem herrlichen Sandstrand mit Restaurant. Hier wollten wir bleiben. Der Parkplatz war eben und hatte zudem noch eine nette Sitzgelegenheit für uns zu bieten. Der Strand war zu unserem Erstaunen kaum besucht, wahrscheinlich tummelten sich alle in Alghero bei der Autoralley.

Spiaggia della Speranza

(Donnerstag, 13.06 – Freitag, 14.06.2019)

Abends wurde das Meer auffallend ruhig – spiegel glatt lag es da….

Wir verbrachten den Abend mit Boule spielen, Radschlagen und anderen sportlichen Einlagen.

Nachts begann der Wind schon an Elliot zu schütteln. Die Ruhe war wohl die bekannte Ruhe vor dem Sturm gewesen. Morgens toste der berüchtigte Wüstensturm Scirocco schon wild und heiß um Elliot und als wir uns auf den Weg machten, hoch zu den Geierforsten die hier an der Küste mit etwas Glück wohl zu finden sein sollten, hatte Ralf alle Mühe damit, Elliot stabil auf der Straße zu halten. Oben am Pass angekommen, verschlug es einem beim Aussteigen fast den Atem so sehr hatte der Sturm zugenommen. Kombiniert mit der unnatürlichen Wärme die der Scirroco aus der Wüste mit sich bringt, war mit diesem Tag kaum etwas anzufangen. Natürlich suchten wir bei diesem Sturm vergeblich den Himmel nach den stattlichen Vögeln ab.

Aber auch ohne Gänsegeier und trotz Sturm gefiel uns hier die Landschaft unheimlich gut. Allerdings war es zwecklos eine Wanderung zu versuchen, nach wenigen Metern brachen wir das Vorhaben ab und steuerten Elliot in aller Vorsichtig vom Pass Su Ferru e su Caddu hinunter nach Bosa.

Bosa

Bosa war wie leer gefegt. Der Scirocco liess die Einwohner wohl lieber zu Hause in ihren kühlen Küchen bleiben. Wir schlenderten einmal quer durch die bunten Gassen der leeren Stadt, aber so richtig gefallen wollte uns das Städtchen mit seinen rund 8000 Einwohnern nicht.

Eigentlich wollten wir uns hier in Bosa mit Bekannten von Freunden treffen, um uns noch weitere Stellplatztipps zu holen – ihnen hatten wir auch den ersten Strand zu verdanken – Danke an dieser Stelle an Steffi 🙂 nächstes Mal klappt ein Treffen bestimmt. Wir kommen wieder, das ist gewiss 🙂

Da unser Zeitplan aber völlig durcheinander gekommen war und wir nun ganz unangekündigt schon in Bosa standen und der heiße Wüstenwind ausserdem sehr auf das Befinden und die Laune der Kinder drückte, fuhren wir dann doch weiter.

Nach einem kurzen Abstecher bei Salina Manna wo wir vergeblich nach Flamingos Ausschau hielten und einen kurzen Spaziergang über den schneeweißen Strand Putzu Idu fuhren wir weitersüdlich auf der Sinis Halbinsel.

„Reiskornstrand“  Is Arutas

(Freitag 14.06. – Sonntag 16.06.2019)

Am berühmten Reiskornstrand der aus kleinen Quarzkieseln besteht gibt es die Möglichkeit für Wohnmobile gegen eine Gebühr von 12,-€ – 16,-€ auf einer Wiese direkt am Strand zu stehen. Die 3 Stellplätze gehören wohl 2 Brüdern und es gibt sowohl einfache Duschen (warm) wie auch WC´s und einen Bereich um Geschirr abzuspülen. Obwohl Wochenende war, hielt sich das Womo-Aufkommen in Grenzen. Wir ergatterten ein Plätzchen in erster Reihe 🙂

Der Reiskornstrand ist schon etwas ganz Besonderes und er zieht sich in mehreren Abschnitten entlang der nördlichen Sinis Halbinsel. Im Norden beginnend mit dem Porto Suedda , gefolgt vom Strand Mari Ermi, dann kommt der Is Arutas an dem wir mit Elliot standen und dann der Maimoni. Den Abschluss bildet der etwa 100 ha große Naturpark Oasi Seu im Süden der Sinis.

Die Reiskornartigen rundgeschliffenen Kiesel schmeicheln den Füssen und es ist ein herrliches Gefühl barfuss am Meer entlang zu laufen. Das Mitnehmen der weissen Kiesel ist unter Strafe gestellt – das sollte man unbedingt beachten!

3 ganze Tage verbrachten wir hier. Wir unternahmen ausgedehnte Spaziergänge. In beide Richtungen kann man kilometerweit wandern. Immerwieder gibt es an den einzelnen Strandabschnitten Bars in kleinen Holzhütten, die Erfrischungsgetränke und Snacks anbieten.

Wir nutzten diese Tage auch dafür stundenlang nach Landschildkröten zu suchen. Sardinien gild auch als DIE Insel der europäischen Landschildkröten. Es war Neles sehnlichster Wunsch eine freilebende Landschildkröte zu sehen. Doch unsere Exkursionen in die angrenzende Macchia – dem natürlichen Habitat der griechischen Landschildkröte waren leider nicht von Erfolg gekrönt. Doch aufgeben kam nicht in Frage! Den ganzen Urlaub über schweiften unsere Blicke immer wieder suchend über das Gestrüpp der Macchia. Immerhin stießen wir irgendwann auf ein Gelege eines Vogels.

Als wir an einem Morgen besonders früh unterwegs waren, hatten wir das Glück Richtung Mari Ermi in einem der Salzseen auf Flamingos zu stossen. Das typische Geschnatter, das wir sonst von unseren Reisen in die Carmargue kennen, hatten wir Abends schon von Weitem gehört und so waren wir nicht überrascht als wir den Schwarm auf der Suche nach Salinenkrebschen entdeckten.

Die Zeit an diesem schönen Fleckchen Erde verflog leider viel zu schnell. Gerne hätten wir noch die antike  Stadt Tharros im Süden der Sinis Halbinsel besichtigt, aber da uns jetzt schon klar war, dass wir nicht das letze Mal auf Sardinien waren, verschoben wir das Vorhaben auf den nächsten Besuch der Insel. Über die Hälfte unserer Tage hier waren schon vorbei und so entschlossen wir uns auch schon wieder Abschied nehmen vom wunderschönen Reiskornstrand Is Arutas, weil wir noch anderes sehen wollten von Sardinien.

Nun nahmen wir Kurs auf nach Norden. Durchs Landesinnere fuhren wir immer weiter Richtung Sassari. Vorbei an Macomer, wo wir prompt in eine Polizeikontrolle gerieten. Gutes Gefühl im Nachhinein, weil nichts beanstandet wurde und das Gefühl wurden wir auch nicht los, dass es den Polizisten vorallem darum ging mal in Elliot reinlugen zu dürfen 😉

Da wir aber nun auch schon wieder fast 3 Stunden auf der Piste waren (für knapp 100km) setzten wir kurzerhand den Blinker und verliesen die Schnellstrasse bei der nächsten Ausfahrt. Was für ein Glück! Denn wo uns Elliot nun hinbrachte, war ein wares Camperparadies.

Semestene

(Sonntag 16.06.- Montag, 17.09.2019)

Der kleine unscheinbare Ort links der E25 hat einen tollen und obendrein kostenlosen Womo-Stellplatz mit grandiosem Blick über die Landschaft, die mit ihren Pappeln an die Toscana erinnerte. Der Stellplatz ist neu angelegt und bietet Frischwasser wie auch Strom umsonst! Eine Entsorgungsstation ist auch dabei.

Im angrenzenden Wäldchen finden sich verstreut kleine Picknickbänke und der Ort ist über einen schönen Pfad durch die Wiese in wenigen Minuten zu erreichen. Auf der Wiese befinden sich gut erhaltene Nuraghen, die frei zugänglich zum Besichtigen sind.

Weil uns das Brot knapp wurde stiefelte ich noch Abends alleine in den Ort. Dieser lag wie ausgestorben da – die Bordsteine waren hochgeklappt und keine Menschenseele war unterwegs. Trotzdem staunte ich nicht schlecht als sich mitten im Ort eine Ausgrabungsstätte präsentierte. Schon am Ortseingang hatte ich mich über das neu angelegte Amphitheater gewundert – ein Ort mit gerade mal 148 Einwohnern?!

 

Überhaupt war das Örtchen in allen Ecken herausgeputzt – und obwohl ich vergeblich eine Bäckerei suchte war schon jetzt klar, dass wir Semestene morgen früh nochmal gemeinsam erkunden würden.

Gleich morgens nach dem brotlosen Frühstück, machten wir uns auf den Weg. Im Licht des Tages war der Ort noch schöner anzuschauen.

Besonders die Wandmalereien taten es uns an. Der ganze Ort war voll davon. An nahezu jeder Hauswand gab es etwas zu entdecken.

Wer gerne länger in Semestene bleiben möchte hat einige Ausflugsmöglichkeiten in der nächsten Umgebung zur Auswahl. Es locken schöne Wanderungen und gar nicht weit in ca 15 km Entfernung liegt das berühmte Sant’ Andria Priu wo mehrere uralte Felsengräber in einer 10 Meter hohen Steilwand liegen. Die Anla­ge zählt zu den schöns­ten Sar­di­ni­ens und ent­stand zur Zeit der Ozie­ri-Kul­tur um 3500 – 2700 v. Chr.

Wir hatten aber für heute ein anderes Ziel und so tuckerten wir weiter auf der E25 bis wir dann auf die SS672 abbogen Richtung Perfugas. Bei Martis lockte uns ein Schild noch eimal von unserem eigentlichen Weg ab:

Ein Versteinerter Wald

wurde angekündigt und da sowieso Pausenstimmung herrschte, machten wir noch einmal einen kleinen Schlenker über Martis.

Ganz so spektakulär, wie sich das Ganze angehört hatte, war die Anlage dann letztlich nicht. Schön um einfach einen Spaziergang zu unternehmen und natürlich auch beeindruckend, wenn man das Alter der versteinerten Bäume bedachte, die hier wild verstreut auf dem Feld lagen. Aber extra weite strecken herzufahren um den versteinerten Wald zu sehen, muss man nicht unbedingt.

Uns zog es also weiter, der Weg wurde immer unwegsamer und enger und Elliot schüttelte uns kräftig durch. Eigentlich waren nur noch 7 km zu schaffen, aber sicher waren wir uns lang nicht mehr, dass wir noch richtig waren. Doch waren wir auch wild entschlossen – wir wollten eine Exkursion starten mit Stirnlampen und GPSdaten im Gepäck, zur:

Fledermaushöhle bei Laerru

Wir fanden dann auch den Picknickplatz mitten im Wald von dem aus wir die Höhle finden wollten. Um uns herum überall stacheliges Buschwerk und Trampelpfade in alle Richtungen und eine wage Wegbeschreibung. Auweia!

Letztlich war es Elmo der zwischen Büschen und Sträuchern mitten in der Macchia dann tatsächlich den Höhleneingang entdeckte, als wir schon gar nicht mehr daran glaubten. Schon gleich der Eingang war eine wirkliche Herausforderung – nicht nur für Klaustrophobiker. Die ersten 20 Meter ließen sich nur kriechend zurücklegen, bevor man sich dann irgendwann wieder vorsichtig aufrichten konnte. Überraschenderweise fanden wir uns dann in einer weißen Steinhalle wieder. Die Strukturen der Steine warfen durch den Lichtstrahl der Taschenlampe skurrile Schattenbilder an die Wand. Von Weitem hörten wir ein unheimliches Wispern und Rauschen. Je näher wir dem Geräusch kamen desto beissender wurde der Gestank in der Nase.

Und dann plötzlich tauchte vor uns eine riesige Traube Fledermäuse auf, die vor uns von der Decke herunter hing – es mussten tausende von Tieren sein. Um diese nicht weiter zu stören schalteten wir schnell die Lichter auf rot und wendeten uns ab. Zwar war die Tour eigentlich als Durchganstour geplant, aber das wäre nicht möglich gewesen ohne die Tiere aufzuscheuchen: wir wollten deshalb weder unter der Fledermaustraube durch noch über den mindestens genauso grossen Federmausexkrementehaufen drüber klettern der sich von unten nach oben auftürmte. Uns war das Abendteuer jetzt schon aufregend genug und so drehten wir einfach wieder um und bewegten uns wieder Richtung Ausgang. Oberirdisch schlugen wir uns dann noch mindestens eine halbe Stunde durch die Macchia, weil wir unbedingt erforschen wollten wo wir herausgekommen wären aus dem unterirdischen Höhlensystem. Irgendwann wurden wir dann auch mit zerkratzten armen und Beinen tatsächlich fündig. Was für ein Abenteuer!

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Der Tag neigte sich schon langsam dem Ende zu und so hieß es mal wieder: Stellplatzsuche. Wie gut, dass gar nicht weit von hier eine weitere Abwechslung auf uns wartete. Genau das Richtige wenn man gerade durch FledermausDINGS gekrochen war:

Thermenquelle von Viddalba

(Montag, 17.09. – Dienstag, 18.09.2019)

Direkt am Ufer des Flusses Coghinas parkten wir auf einem sandigen Parkplatz gegenüber des Thermenhotels. Das Besondere hier: Eine Thermalquelle die direkt in den Fluss geleitet wird. Aus einem sprudelnden Rohr kommt das ca 75°C  heiße Wasser und erwärmt den Fluss, der gemächlich Richtung Valledoria weiter fließt um dort dann ins Meer zu münden.

Mit Steinen bauten wir uns eine Badewanne – aufpassen muss man direkt am Austritt des Wassers damit man sich nicht verbrüht. Der Wasserspiegel des Flusses schwankt beachtlich, was an den Schleusen talaufwärts liegt und wesegen Schwimmer mit Schildern auch zur vorsicht gemahnt werden.

Wir haben hier unseren Abend mit Schlammbaden und Entspannungsbad ausklingen lassen bevor wir am kommenden Morgen wieder auf die Küste stossen wollten.

 

 

„STOOOOOOOOOOOOPP! SOFORT ANHALTEN!“

Vor lauter Schreck trat Ralf viel stärker in die Bremsen als ich es eigentlich beabsichtigt hatte. Ich riss die Bustür auf und war schon mit einem Satz draussen auf dem Gehweg. Ralf stand mit Elliot mitten auf der Strasse und schaute noch ganz verdutzt, als ich mit dem Grund meiner eingeleiteten Notbremsung ankam:

Tagelang hatten wir am Reiskornstrand vergeblich gesucht und jetzt spazierte eine einfach gemächlich auf dem Gehweg entlang. Eine wunderschöne, uralte Schildkrötendame – die nur so strotzte vor Gesundheit. Für Nele und auch für uns war spätestens jetzt der Urlaub perfekt! Eine echte, wildlebende Landschildkröte ( ich schätze mal eine Breitrandschildkröte) und dann auch noch so eine stattliche alte Dame! Was hatten wir bloß für ein Glück. Wir setzten sie etwas abseits der doch stark befahrenen Strasse ins Gebüsch und staunten über die Geschwindigkeit mit der sie das Weite suchte.

Die ganze Sardinienzeit über hatten wir es vermieden im Norden in die absoluten Tourihochburgen Sardiniens einzutauchen – auch wenn uns die Bilder der karibisch anmutenden Strände lockten, hatten wir wenig Lust auf Menschenmassen und Höhenbegrenzungen mit denen wir Elliot sowieso nirgends parken konnten. Aber heute wollten wir es wagen – heute fuhren wir mitten rein:

Costa Paradiso

Zu unserem Erstaunen fanden wir auch relativ gut ein Plätzchen für unseren 3 m hohen Elliot und auch die Tourimassen hatten wir uns massiger vorgestellt. Der Name der Paradiesküste hält was er verspricht: Wir waren im Paradies gelandet! Und so verbrachten wir den ganzen Tag hier mit schnorcheln, spazieren, baden, faulenzen.

Wir hatten unsere eigene Bucht – was schon alleine alle Erwartungen übertraf, auch wenn der Zugang ins Meer etwas steinig war.

Auf der Weiterfahrt schauten wir uns dann noch Isola Rossa an und deckten uns dort mit Proviant ein und die Kinder hauten ihr Urlaubsgeld auf den Kopf. Als Schlafplatz suchten wir uns einen Parkplatz auf der Karte raus, der relativ abgelegen zu sein schien:

Spiaggia Poltu Biancu

(Dienstag, 18.09. – Mittwoch, 19.09.2019)

Auch diese Wahl erwies sich als Volltreffer. Insgesamt können wir sowieso sagen, dass Sardinien (vorallem im Vergleich zu Korsika) wesentlich wohnmobilfreundlicher ist. Verbotsschilder werden erst Richtung Hochsaison aufgestellt und wir hatten im zwischenmenschlichen Kontakt immer das Gefühl wirklich willkommen zu sein. Das kann man leider von der Nachbarinsel nicht immer so bedingungslos sagen. Auch wenn sie uns landschaftllich immernoch die liebere Insel ist. Nun aber zurück zum Strand 🙂

Am Abend leerte sich der Parkplatz schnell und wir blieben mit einem weiteren Wohnmobil die Nacht über allein zurück. Abertausende von Sternen funkelten über uns an diesem abgeschiedenen Ort und nur ganz in der Ferne waren die Lichter von Castelsardo zu sehen, das wir morgen besuchen wollten.

Nach Castelsardo waren es gerade mal 24 km und so machten wir uns nachdem wir nochmal den Strand genossen hatten nach der Mittags-Siesta auf den Weg.

Castelsardo

Castelsardo hat knapp 6000 Einwohner und liegt auf einem kleinen Cap. Dominiert wird es von einer Burg, die oben auf der Bergkuppe über dem quirlig bunten Ort ruht.

Der Aufstieg durch die steilen engen Gassen war wegen der herrschenden Hitze wirklich anstrengend, aber auch sehr sehenswert.

Die stark renovierte Kathedrale Sant’Antonio abate weist noch Teile ihres Originalbaues aus dem 16. Jahrhundert auf und hat bedeutende Holzaltäre und Bildtafeln.

Berühmt ist Castelsardo auch für seine traditionelle Korbflechtkunst. An jeder Ecke saßen vor historischen Häuser flechtende Frauen die ihre selbstgemachten Korbflechtereien aus Palmblättern verkaufen – eine schöne Alternative zu den sonst oft altstadtdominierenden Kitsch-Souvenirläden.

Jetzt war es nicht mehr weit bis Porto Torres, wo morgen unsere Fähre ablegen würde. Ganz wehmütig wurde uns bei diesem Gedanken. Der Aufenthalt auf Sardinien war viel zu kurz gewesen- wir hatten gerade mal einen Bruchteil der Insel kennengelernt. Für die letzte Nacht fuhren wir noch einmal etwas näher an Porto Torres ran und fanden wieder einen wunderherrlichen Platz an dem wir die letzte Nacht und den letzten Tag verbringen wollten.

Spiaggia Marina di Sorso

(Mittwoch, 19.09 – Donnerstag, 20.09.2019)

Auf einem der vielen Strandparkplätze die an die Spiaggia Marina die Sorso abzweigen, schlugen wir unser Nachtlager auf.

Jetzt waren wir doch richtig froh darüber, dass uns das Fährunternehmen unsere eigentlich gebuchte Rückfahrt mittags storniert hatte und uns stattdessen eine über Nacht Fahrt (inkl Kabine) angeboten hatte. Einen halben Tag Sardinien mehr, den wir mit jeder Faser genossen!

Porto Torres

(Donnerstag, 20.09. – Freitag, 21.09.2019)

In Porto Torres holten wir unser Abschiedsessen nach, da wir am Abend zuvor in Ermangelung eines Restaurants selbst kochen mussten.

Pizza! Das war ja klar!

Das Einschiffen lief etwas chaotisch – lange Staus hatten sich gebildet und wir hatten schon Angst dass elliot zu heiß werden würde – aber auch diese Hürde schaffte er mit Bravour. Die Fähre legte pünktlich ab und schneller als wir uns versahen, befanden wir uns auf der Heimreise. Den Luxus eine Kabine zu haben genossen wir tatsächlich sehr. Elmo allen voran 😀

Von der Fähre waren wir schnell runter und der morgendliche Berufsverkehr in Genua hielt sich in Grenzen. Die erste ausgiebige Pause machten wir am Vierwaldstätter see, der mir zuvor noch nie als so wunderschön ins Auge gefallen war. Sogar ein schnelles Bad legten wir ein und dann ging es auch schon wieder weiter.

Schaffhausen

In Schaffhausen machten wir nach einem oberätzenden stau in Zürich unsere Abendessenspause. Eigentlich wollten wir – äh ich hier noch eine Nacht bleiben – wurde aber vom Rest der Crew überstimmt. Alle wollten Heim im eigenen Bett schlafen….. unglaublicherweise schafften wir das dann auch.

Irgendwann Nachts kamen wir an….. pannenfrei aus Sardinien!