Camargue ZWEI-einhalb 2008

(Sonntag, 3.08. – Sonntag, 17.08

Zu Hause war der Umbau in vollem Gange. Nachdem wir ein ganzes Haus entrümpelt, entkernt, verkabelt – kurz, saniert hatten, war letzte Woche das Dach dran gekommen. Das Ganze war ein Wettlauf mit der Zeit, denn im Dezember sollten wir Zuwachs bekommen und wir hatten noch weder die Dämmung auf der Wand, noch die neuen Fenster eingebaut, noch überhaupt eine Heizung. Trotzdem waren wir jetzt schon fix und fertig – fast alles machten wir in Eigenleistung.

Einfach mal raus und kurz Auftanken… war also die Devise, bevor es mit Volldampf weiter ging im Renovierungsmarathon.

Am Sonntag, den 3.08.2008 fuhren wir völlig unkoordiniert los – hatten die Abfahrt zig mal verschoben, weil immer wieder irgendwas war… also jetzt oder gar nicht mehr.

Die Camargue sollte es sein… Seele baumeln lassen, am Strand das Meer genießen und einfach mal nichts tun!

Die Anreise klappte ohne Zwischenfälle… über den Schwarzwald, Feldberg, good old Schopfe, bis Besacon war die erste Etappe. Quer durch Frankreich  ging es montags weiter und ich war überrascht wie schnell sich dann doch Urlaubsstimmung einstellte.

Grignan

(Montag, 4.08 – Dienstag, 5.08.2008)

In Grignan verbrachten wir die 2. Nacht direkt an der Friedhofsmauer. Grignan liegt im Süden vom Département Drôme nicht weit von der A7 entfernt, Ausfahrt Montélimar. Sowohl die Abendstimmung hier zu genießen wie auch den Ort morgens zu erleben war genau die richtige Urlaubseinstimmung.

Bevor wir uns Mittags wieder auf den Weiterweg machten, schauten wir uns noch das prächtigen Renaissance-Schloss ganz oben im steilen Örtchen an. Man hatte einen herrlichen Blick auf die Landschaft rundherum.

Bevor wir wieder auf die Autobahn fuhren, machten wir noch einen Abstecher zur 14 km entfernten Kapelle Notre-Dame du Val Des Nymphes. Die Kapelle wurde 1059 erstmals erwähnt und ist wirklich einen Besuch wert. Der kleine, versteckte Ort scheint wie aus einem  verwunschenen Märchen zu sein. Orange war dagegen das krasse Gegenteil: viel zu viele Menschen und Autokolonnen die sich um den berühmten Stadtgründungsbogen, den „Bogen von Orange“ schoben – deshalb blieben wir hier nicht lang sondern lenkten die blaue Elise mit der blechernen Nase gen Meer

115km waren es noch bis zum Strand Piemason, der unser Ziel war. Der Strand ist einer der letzten offiziellen Wildcamperstrände Europas. Wir waren hier die Jahre davor immer wieder mal da gewesen und jedes mal war es spannend, was sich verändert hatte bzw ob der Strand überhaupt noch für Wildcamper geöffnet hatte.

Er hatte! Stellten wir fest als wir über die schmalen Strassen zwischen den Salzseen fuhren und am Horizont Wohnmobile auftauchten. War das ein herrliches Gefühl…. ab jetzt hieß es: Füße in den Himmel und (Baby)Bauch in die Sonne strecken.

Aber so ganz  „Nichts tun“ ging es natürlich auch hier nicht 😉 Nach und nach wuchs so unser kleines Strandzuhause und wurde bunt und bunter.

 

Die Tage vertrieben wir uns mit Strandgut sammeln, Drachen bauen und Wiedersehen feiern mit Nachbarn, die wir aus dem Jahr davor schon kannten. Anjes mit Familie war ebenfalls wieder da. Leider hatten sie den kleinen Mikey, in den ich mich damals so verguckt hatte nicht mehr – der schwarze Traum von einem Hund war ihnen vom Hof gestohlen worden!

 

Auch dieses Mal waren wir wieder da, als im nahegelegenen Salin de Giraud das Stierfest gefeiert wurde. Dazu werden Stiere von Reitern auf Camarguepferden durch die Gassen der Stadt getrieben und als Höhepunkt wird in der Arena versucht, den stieren ein Blumenkränzchen dass sie zwischen den Hörnern tragen zu entreissen. Bisher hatten wir das Spektakel immer nur am Rande mitbekommen. Dieses mal überzeugten wir uns selbst davon ob das wirklich stimmte, dass in der Arena keine stierkämpfe stattfanden – davon waren wir nämlich dieJahre zuvor ausgegangen. Aber auch so, konnten wir der sache nicht wirklich etwas abgewinnen.

Die Schlendrian-Tage gingen weiter und jeder feilte so an seinem Projekt… Die Drachen flogen immer besser und unser Strandgutwohnzimmer nahm Gestalt an. Das bisschen Haushalt das es nun doch immer irgendwie zu machen gibt, machte sich in einer solchen Umgebung fast schon von selbst.

 

Wir waren natürlich nicht die Einzigsten die kreativ ihre Umgebung gestalteten. Dafür ist der Strand hier in Piemanson und auch der naheliegende Strand Beauduc ja auch bekannt 🙂

 

Als es dann doch etwas eintönig wurde am Strand, schnappten wir unsere Räder und fuhren ins nahe gelegen Vogelschutzzentrum. Keuchen trifft es wohl besser! Ich keuchte mit dem Rad Ralf hinterher. Die Schangerschaft zeigte sich zum ersten Mal so richtig…. zu Hause war vor lauter Renovieren gar keine Zeit dafür gewesen…

 

Ausgiebig Strandspaziergänge in alle Richtungen füllten unsere Tage – und je weiter man sich vom befestigten Platz in Piemanson wegbewegt umso schöner und wilder wird der Strand. Hier sind die Dünenschutzzäune noch intakt und rießige dünen säumen den weg am Strand entlang. Das ist leider eine unschöne Nebenwirkung der geduldeten Camperei – in diesem Jahr stellten wir deutlich die Zerstörung und Verschmutzung die mit den Massen von Menschen hier einhergingen fest.

 

Die angekündigte Schlechtwetterfront ließ nicht lange auf sich warten. Der wind hatte deutlich zugenommen und das wasser kroch Richtung blaue Elise. Weil wir hier schon Überflutungen erlebt hatten, beschlossen wir den Tag einfach dafür zu nutzen die 60km entfernte stadt Nimes zu besichtigen. Abends konnten wir ja dann sehen wie es um unser strandwohnzimmer bestellt war:

Nimes

(Dienstag, 12.08.2008)

Die eigentlich heißeste Stadt Frankreichs empfing uns mit angenehmer Temperatur und so verbummelten wir hier den ganzen Tag in Parks, besichtigten Kirchen und Anlagen. Die blaue Elise hatten wir etwas ausserhalb geparkt und radelten mit den Rädern in den belebten Stadtkern. Das Verkehrschaos konnte uns so nichts anhaben und die Distanzen von einer sehenswürdigkeit zur anderen konnten wir auf diese weise gut überbrücken 🙂

Nimes ist bekannt für seine römischen Bauwerke denen man nachsagt, dass sie sogar besser erhalten seien als jene in Rom. Das Amphitheater schauten wir uns nur von aussen an. Auch der Kathedrale statteten wir nur einen kurzen Besuch ab um uns dann auf den Weg Richtung Jardin de Fontaine zu machen

 

 

Die Jardins de la Fontaine wurden bereits im 18. Jahrhundert angelegt. Der bestehende alte Dianatempel wurde damals einfach in die französische Parklandschaft integriert. Ebenso der keltische Tour Magne, der eine Höhe von 32 Metern aufweist und als Aussichtsturm einen tollen Blick über die stadt ermöglicht..

 

Voller Eindrücke dieser spannenden Stadt suchten wir abends wieder den Weg zurück nach Salin de Girauld. Tatsächlich war die gesamte Zufahrt und auch Teile des Stellplatzes überflutet – aber Elise wäre nicht Elise, würde sie sich abschrecken lassen von so einem bisschen Wasser. Bis zum nächsten Morgen zog sich dasselbige auch schon wieder zurück und unser Strandwohnzimmer lag da, als sei nie etwas gewesen,

Der Urlaub neigte sich schon wieder dem Ende zu – wie schade ist es doch, dass die Camargue über 1000km weit entfernt ist… hier mal nur kurz fürs Wochenende auftanken zu können, wäre gigantisch… so mussten wir die letzten Tage unsere Entspannungstanks füllen, damit wir zuhause noch laaaaaange davon zehren konnten. Strand, Sonne, Meer…. Balsam für die Seele 🙂

 

 

Den Heimweg gestalteten wir uns dieses Mal auch ganz gemütlich und schön. Wir machten Halt an der Pont du Gard und verbrachten gleich noch eine Nacht und einen Tag in Bagnols sur de Ceze. Der kleinen Ort besticht gleich mit mehrere Attraktionen. So lädt er ein die steilen Gassen zu durchschlendern, nachdem man sich waghalsig über die schmal schmale Brücke getraut hat zu fahren – wer breiter als 2,05m ist sollt einen anderen Weg in die Ortschaft wählen.

 

 

Außerdem sind hier die Cascades du Saudate. Ein unglaubliches Naturschauspiel, dem man bei jedem Wetter beiwohnen sollte. Im Sommer ist hier die ganze Badestelle voll Menschen die das Bad in den Gumpen, den kleinen Caskaden und Wasserläufen geniesen. Dieses Mal war es noch zu frisch und so konnten wir einfach in aller Einsamkeit die Felsspalten erkunden und uns staunend am Ufer berauschen lassen von dieser Naturschönheit.

Im Elsaß genossen wir einen letzten Cafe au Lait in Straßburg direkt am Münster, bevor wir uns dann zuhause wieder unserer Baustelle widmeten und mit vollgetankten Energievorräten die Heizung, das Kamin und das Bad installierten. Pünktlich zur Geburt von Nele waren wir dann auch fertig – die Kleine hatte uns eine Schonfrist von zusätzlich 10 Tagen gegönnt bevor sie dann (an Weihnachten!!!) auf die Welt kam und unser Leben auf den Kopf stellte. Aber dazu ein anderes Mal 😀