Wohnmobil Tour ins Allgäu – Pfingsten 2016

Eigentlich war für Pfingsten ja England geplant – aber das Wetter verhieß nichts Gutes und außerdem saß uns noch immer der Schreck vom Kabelbrand – Supergau in den Knochen … klar war, dass wir nicht so weit reisen wollten – schließlich war das ja unsere erste richtige Tour nach dem Brand und so wollten wir uns erst wieder das Vertrauen in Elliot sachte Kilometer für Kilometer erfahren, ohne Zeitdruck und ohne gebuchte Fähre. Kurzerhand wurde das Fährticket also umgebucht und geguckt was uns so lockte. Das gestaltete sich gar nicht so einfach, weil wir eigentlich eine äußerst meerversessene Familie sind, das Meer aber so elends weit für die paar Tage war. So brachen wir am Mittwoch, den 18.05.16 Mittags erst mal gemütlich gen Kempten auf, ohne jegliche Erwartungen und viel Gemurre der jüngeren Besatzung. „Allgäu, wie laaaangweilig …“ oder: „… gibt´s da ein Meer?“

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Weil wir es ja nun nicht mehr eilig hatten- wir mussten ja an keinen Strand und somit auch keine Strecke machen- tuckerten wir gemütlich über Land erst nach Bad Urach, nach Münsingen, über Ehingen und dann weiter durch Biberach. Den ersten Halt machten wir in Ochsenhausen. Nach einer kleinen Stärkung aus der Bäckerei erkundeten wir den kleinen Ort. Um die beiden Kleinen etwas zu motivieren, orteten wir hier zwei nahegelegene Caches… die wir dann auch gleich aufstöberten. Einer am Bahnhof, einer am Kornhaus und schwupps, war das „Ort erkunden“ durch die Cachesuche kein langweiliges Rumgelaufe der Erwachsenen mehr 😉 – was für eine feine Erfindung das doch ist, das geocaching <3

Ochsenhausen verließen wir in Richtung Rot an der Rot, zweigten in Tannheim nach Aitrach ab um vortan an der Iller entlang zu schlängeln. Lautrach, Legau, Altusried, waren nur einige der Örtchen die wir durchquerten. Schneller als wir schauen konnten waren wir in Kempten und fuhren auch direkt zum offiziellen Womo-Stellplatz am Illerstadion.

Kempten

(Mittwoch, 18.05. – Donnerstag, 19.05.2016)

Zur großen Freude der Kinder war der direkt an einem großzügig angelegten Kinderspielplatz gelegen, der wiederum direkt an der Iller lag. Sehr praktisch! Natürlich mussten die Spielgeräte gleich durchgetestet werden.

Sehr schade, dass es am folgenden Tag regnen sollte! Aber die Laune ließen wir uns nicht verderben und machten noch einen Abendspaziergang über die St.Mang-Brücke in die Innenstadt Kemptens um unseren Hunger zu stillen.

Kempten gefiel uns ausgesprochen gut und überraschte uns mit seiner Vielfältigkeit an Bauwerken. Insgesamt ein wirklich beschauliches Städtchen sowohl im Trockenen wie auch im Nassen (wie wir am kommenden Morgen erleben sollten) mit einem schön gelegenen Stellplatz.

Der Abend verlief jedoch alles andere als ruhig und spätestens jetzt waren wir heil froh, dass wir unser Vorhaben direkt nach vorne an den Spielplatz umzuparken nicht wahr gemacht hatten. Einer der ersten lauen Sommerabende hatte nicht nur uns sondern Scharen von Jugendlichen angezogen, die sich feucht fröhlich auf dem Spielplatz und dem angrenzenden Park die Kante gaben. (aus den Nachrichten erfuhren wir später, dass es um die 100 angetrunkene Jugendliche waren) – das Treiben wurde aber schon bald von einem Großaufgebot der Polizei beendet als es zu Handgreiflichkeiten kam. Gleich mehrere Streifenwägen, Mannschaftswagen mit Hunden rückten an und verschafften uns letztendlich doch noch eine unverhofft ruhige Nacht.

Wie vom Wetterdienst schon angekündigt war, begann es dann schon Nachts zart auf Elliots Dach zu prasseln. Eigentlich unheimlich gemütlich, wäre da nicht eine unternehmungslustige Schar im Busblechbauch gesessen. Abgekühlt hatte es auch mächtig. Dennoch machten wir uns noch einmal in die Stadtmitte auf. Zunächst aber genossen wir ein indoor-Frühstück am Klapptisch – das erste überhaupt in dieser Form, seit wir Elliot haben. Das Oma-Urlaubsgeld wurde gleich sinnvoll in Regenschirme investiert und so konnte uns das Wetter nicht miesepeterig stimmen.

Mit etwas enttäuschten Kindern zogen wir Mittags schließlich weiter. Beide wollten so gerne nochmal auf dem Spielplatz ausgiebig spielen – nach der Partynacht jedoch, war ich um den Regen ganz froh – ungern hätte ich den beiden erklärt, warum der Platz nun nicht mehr wirklich zum Spielen einlud. Die Beiden hatten das nächtliche Spektakel ja zum Glück verschlafen.

Den Kemptener Wald mit Hängebrücke über der Wertach ließen wir wegen des Wetters auch links liegen und tuckerten über die B 309 südöstlich stadtauswärts. Über Seeg gelangten wir schließlich nach Roßhaupten um uns erst einmal am östlichen Ufer des Foggernsees hinabzuarbeiten. Das war leichter gesagt als getan und wir landeten schließlich in einer Sackgasse, aber an einem kleinen märchenhaften See – dem Hegratsrieder See.

Auch wenn sich dieser laut Internet zum Baden und Verweilen hervorragend eignet, hatte es sich so eingeregnet, dass die nasse Pracht wie Bindfäden vom Himmel kam und wir eine Weiterfahrt vorzogen. Es wurde auch schon Abend und wir wollten einen endgültigen Platz finden. In Füssen hatten wir diesbezüglich kein Glück – sehr touristisch und wohnmobilunfreundlich! Neuschwanenstein konnten wir drum nur aus einem fahrenden Elliot bestaunen und schwupps waren wir schon wieder auf der anderen Seite vom See. Da diese Gegend insgesamt sehr touristisch zu sein schien bogen wir leicht schräg zum Hopfensee ab.

Hopfensee

Hier blieben wir auch nur einen kurzen Moment an der Strandpromenade stehen. Am Ortseingang gibt es einen Campingplatz mit Wohnmobilstellplätzen… uns trieb es aber weiter weil das Kurörtchen irgendwie doch sehr bieder zu sein schien. Vielleicht war es aber einfach nur das Wetter, das alles grau in grau tauchte…

Wir folgten einfach weiter der Uferstrasse (St 2008) und gelangten so wieder nach Seeg. Als wir Stunden zuvor nach Seeg von Richtung Kempten gekommen waren, war mir auf dem Weg ein einladender See aufgefallen – diesen wollten wir nun ansteuern. Wir bogen also links ab Richtung Nesselwang/ Kempten und landeten tatsächlich an der Stelle, die mir mittags aufgefallen war:

Schwaltenweiher

(Donnerstag, 19.05. – Samstag, 20.05.2016)

Als wir ankamen hatte es gerade so aufgehört zu regnen und es langte noch für ein paar Laufradrunden auf dem großen Parkplatz der auch als Wohnmobilstellplatz für 5,- pro Nacht genutzt werden kann. Die Wiese war gerade frisch gemäht worden und wir hatten als einzigstes Wohnmobil somit freie Auswahl. Direkt am Parkplatz grenzt eine Badeanlage mit Restaurant und Kiosk an.

Der sonnige Morgen ließ unsere Herzen höher schlagen. Endlich hatte das nasse Wetter zumindest vorerst ein Ende. Wir genossen gleich ein Frühstück in der Morgensonne obwohl es noch frische 12°C hatte. Brrrrrrrrrrrrrrrrr einfach viel zu kalt für Pfingsten. Aber die Kühle war sofort vergessen als uns der Schwltenweiher beim Betreten des Badegeländes mit einer überwältigenden Kulisse empfing. Wow! Hier wollten wir bleiben!

Zunächst wurden kleine Ausspähboote ins Wasser gelassen – sicher war sicher! Da drüben war eine unbekannte Insel deren Erkundung unsere Abendteuerlust schon mächtig kitzelte.

Mittags als die Temperatur dann rasant anstieg wagten wir es: Unser mitgebrachtes Schlauchboot wurde ausgepackt und seetüchtig gemacht. Für Menschen ohne eigenes Boot gibts hier in der Sommersaison auch Boote zum ausleihen. Die kleine Insel war schnell erreicht und erkundet und einen Namen hatte sie sich auch gleich von uns verdient:

Die Biberinsel

Als wir dann einigermassen warmgepaddelt waren, machten wir uns zu einer größeren Abendteuertour auf. Seeabwärts lockte eine weitere Insel, eine größere die durch einer Brücke mit dem Festland verbunden war.

Im Laufe der Tage wechselten die Paddelbesatzungen immer wieder durch – und alle, samt Elmo kamen in den Genuss der herrlichen Bootspartie mit noch herrlicherer Alpenkulisse.

Im Bereich hinter der Gaststätte Schwaltenweiher gibt es ein Beachvolleyballfeld und einen kleinen Spielplatz. Außerdem einen kleinen Sandstrand der ganz flach abfällt und auch für Familien mit kleinen Kindern wirklich empfohlen werden kann.

Nach dem ganzen Geplansche und Gepaddle, genossen wir noch die Abendstimmung in aller Abgeschiedenheit am Schwaltenweiher, bevor wir uns totmüde in unsere Federn verkrochen.

Da jedoch schon wieder eine Regenfront angekündigt war, wollten wir die bleibenden Sonnenstunden dazu nutzen, noch mehr vom Allgäu zu sehen. Nach zwei Nächten packten wir also unsere 7 Sachen und machten uns zunächst wieder auf Richtung Forggensee. Rieden sollte unser Ziel sein. Allerdings fanden wir keinen wohnmobiltauglichen Platz der uns so Recht gefiel und der keinen Ärger verhieß und auf den Campingplatz wollten wir nicht. So fuhren wir noch einmal durch Füssen und füllten dort unseren Kühlschrank um uns dann gen Oberstdorf zu halten. Unterwegs machten wir eine Rast in Pfronten Heitlern, wo es einen tollen Burgenspielplatz zu bespielen gab. Wer hier in der Gegend mehr Zeit verbringen möchte, kann auf 12 weiteren Themenspielplätzen in angrenzenden Gemeinden Kinderherzen höher schlagen lassen. Piraten, Prinzessinnen, Planeten und  Zirkus seien als Themen nur beispielhaft genannt.

Auf einem Stellplatz in Fischen verbrachten wir die Nacht und brachen in aller Frühe zur nur 9 km entfernten Breitachklamm auf.

Breitachklamm

(Samstag, 20.05. – Sonntag, 21.05.2016)

Der riesige Parkplatz am Gasthof Breitachklamm war zu dieser Zeit noch leer und wir wunderten uns ein wenig darüber, als der Parkplatzeinweiser (der auch nach uns kam) uns bat, ganz nah an die Mauer einzuparken um keinen Platz zu vergeuden. Später als der Parkplatz nach unserer Rückkehr voll war, wussten wir dann warum.

Nach einem kurzen Frühstück waren die Rucksäcke und Regenmäntel schnell gepackt und wir stapften einsam in die Klamm hinein. Eine weise Entscheidung wie sich später herausstellte als uns Horden von Menschen auf unserem Rückweg entgegenkamen. Wir passierten das Kassenhäuschen (4,-€   für Erwachsene, 1,50,- € für Kinder ab 6 Jahren) und schlenderten zunnächst auf dem gut befestigten Weg der Breitach entlang. Nach unserer Barfußprobe konnten wir feststellen, dass die Breitach schon hier ein erstaunlich reissender und wirklich eiskalter Gebirgsbach ist. Insgesamt hat sie eine Länge von 21km.

Nach ca 10 minütigem Marsch, tritt man schon in die Klamm ein: rechts und links erheben sich die Felswände auf beeindruckende Weise. Die Breitachklamm ist die tiefste Felsenschluchten Mitteleuropas und zählt zu den schönsten Geotopen Bayerns. Sie lässt sich auch prima mit Kindern durchwandern und es gibt verschiedene Rundwege, die erwandert werden können.

Der Weg verschwindet teils im Fels oder klebt freischwebend am Fels manchmal in schwindelnder Höhe. Wir nahmen nach dem Kassenhäuschen zunächst den weg zum Zwingsteg hinauf, der einen impossanten Blick von oben in die Klamm hinein freigibt. Wir entschieden uns nach einer kleinen Rast dann auch wieder durch die Klamm zurück zu wandern, weil sie einfach so unglaublich beeindruckend war.

Dieses Erlebnis hätte schon für einen Tag gereicht, dabei wars gerade mal früher Mittag als wir zu Elliot zurückkamen der nun umringt war von hunderten von Autos.

 

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Inzwischen war es auch mächtig heiß geworden und so traf die Idee einen der vielen Allgäuer Seen aufzusuchen im Familienrat auf breite Zustimmung. Wir tuckerten also zurück nach Oberstorf, durchquerten Sonthofen und Immenstadt, ließen den Alpsee links liegen und kamen nach ca 30km auf einem neu angelegten Parkplatz am Niedersonthofer See zum stehen.

Niedersonthofer See

(Sonntag, 21.05. – Montag, den 22.05.2016)

Der See wird von den Einheimischen auch „Nieso“ genannt und hat am westlichen Ufer einen netten Badeplatz mit Kiosk und Spielplatz zu bieten. Diesen paddelten wir samt Sack und Pack an und faulenzten den restlichen Sonntag bei sommerlichen 30°C am Strand. Kaum vorstellbar, dass es am kommenden morgen auf 8°C abkühlen sollte!

Abends jedoch stzte dann schon ein stürmischer Wind ein und obwohl es nachts hoffnungsvoll trocken geblieben war, begann es dann morgens zur regnen! Zeit für ein Bettfrühstück im Busbauch!

Mit dem Regnwetter war dann auch die Tagesgestaltung klar: Großwaschtag im Erlebnisbad Wonnemar in Ulm. Kaum zu glauben, aber da freuen sich Kinder sogar über Regenwetter 😉

So sauber wie wir waren als wir aus dem Wonnemar kamen und so nieselig wie es immer noch war rings um uns rum, beschlossen wir dann doch die 79km noch Heim zu fahren und in unseren warmen Betten die Nacht zu verbringen. So kurz der Urlaub war, so überraschend schön war es doch im Allgäu! Hat jemals einer von uns gesagt, Urlaub im Allgäu sei spießig? WIR NEHMEN ALLES ZURÜCK!