Südengland gescheitert – Sommer 2015

Seit Monaten widmete ich mich nun schon der Ferienplanung. Karten und Reiseführer kaufen und sichten, Sehenswürdigkeiten heraussuchen, Brittstopsmitgliedschaft abschliessen, Mitgliedschaft bei National Trust abschließen und in Vorfreude schwelgen.

Am Montag, den 10.08.2015 gings dann endlich los. Elmo hatte beim Tierarzt noch seine Bandwurmtablette verabreicht bekommen (ohne die ein Hund nicht nach England einreisen darf ) und Elliot war gepackt und startklar. Wir hatten wie immer vor einer so langen Fahrt alles doppelt und dreifach auf Sicherheit gecheckt, die neu aufgezogenen Reifen und alle Flüssigkeiten nochmal kontrolliert, um uns dann erst mal Richtung Karlsruhe auf die Autobahn zu begeben.

Bitche

(Montag, 10. – 11. August 2015)

Die erste Etappe schafften wir nicht ohne sämtliche Zeit im Stau zu verbringen und so kamen wir Abends nach 200km in Bitche an, das wir schon von der Heimreise unserer Bretagne Umrundung im Sommer 2013 kannten. Das Örtchen lockt mit einem tollen Stellplatz für Wohnmobilen, direkt zu Füssen der Citadelle mit öffentlicher Toilette und der Möglichkeit sich an den Strom zu hängen. Das Übernachten ist kostenlos.

Morgens bringt die Bäckersfrau frisches Baguette und lecker Schokocroisant  und läutete damit das Urlaubsfeeling bei uns ein.

Nach einem ausgiebigen Frühstück wollten wir rasch aufbrechen. Heute standen mehrere Grenzübergänge auf dem Plan. Von Frankreich wieder nach Deutschland, von Deutschland nach Luxembourg, von Luxembourg nach Belgien, von Belgien nach Frankreich und wieder zurück … irgendwann verrieten nur noch die Farben der Straßenschilder in welchem Land wir uns gerade befanden. Wir hatten längst aufgegeben die Grenzübergänge zu verfolgen.

Am Abend, wir waren gerade wieder nach Frankreich gefahren, beschlossen wir im naheliegenden Städtchen Maubeuge ein Nachtplätzchen zu finden. Wir konnten ja nicht ahnen dass wir hier für die kommenden Tage stranden würden und unsere Fähre ohne uns nach England ablegen würde 🙁

Maubeuge

(Dienstag, 11. – Donnerstag, 15. 08.2015)

Plötzlich ging alles ganz schnell, Ralf hatte mich gerade auf die aufflackernde Ladekontrollleuchte aufmerksam gemacht, als ich den weißen stinkenden Qualm der auf meiner Seite ins Fahrerhaus eindrang bemerkte. Sofort hielt Ralf an, stoppte den Motor, ich raste nach hinten zu den Kindern und binnen Sekunden waren wir alle samt Elmo raus aus dem Bus. Schneller als ich schauen konnte, hatte Ralf schon bewaffnet mit Feuerlöscher (mein Held) die Motorklappe geöffnet und kämpfte gegen die Flamen die da loderten. Im Nachhinein muss ich sagen, dass wir nicht besser hätten reagieren können und Dank Ralfs Sicherheitsfanatismus (über den ich bis dahin immer schmunzelte) alles optimal gelaufen ist. Ralf hielt Feuerwache – immer wieder gingen die Flammen an – während ich das HundeKinderAblenkBeruhigungsprogramm am Rande des stark befahrenen Kreisverkehrs startete. Irgendwie auch wie für mich selbst – mir war ganz elend zu Mute… aber mit Kindern behält man ja immer tapfer das Krönchen auf dem Kopf … „Keine Sorge Papa und Mama haben alles im Griff!“

Was ich unheimlich bemerkenswert fand war, wieviele Menschen anhielten um uns ihre Hilfe anzubieten! Wirklich, das war grandios. Danke an jeden einzelnen! Wir saßen eine gefühlte Ewigkeit am Straßenrand, bis endlich der Abschleppwagen kam. Die Kinder wurden immer heuliger und hatten Hunger und waren schrecklich müde – wir auch.

Es war ein furchtbar trauriger Moment als Elliot langsam auf die Pritsche des Abschleppwagens gezogen wurde und ich fing langsam an zu realisieren, was uns da gerade wiederfahren war.

Bis wir endlich wieder nach Hause kamen, sollten noch zwei Tage vergehen. Wir mussten im Hotel Unterschlupf suchen weil es unglaublich in Elliot stank… am nächsten Tag mussten wir unsere ganzen Lebensmittel wegschmeissen. Dann starb nachmittags auch noch die Hoffnung auf eine Reparatur des Kabelbrandes – zuviel war zerstört worden (obwohl das gar nicht so aussah), die Fähre konnten wir auch nicht mehr stornieren, dann mussten wir einen Leihwagen 80km in der entgegengesetzten Richtung in Lille holen. Hier roch man schon fast das Meer. Nur 80km trennten uns noch vom Wasser, über das sich gerade unsere Fähre ohne uns aufmachte. Nunja, trotzdem haben wir richtig Schwein gehabt. Uns ist nichts passiert! Das ist mal die Hauptsache. Wie wir inzwischen wissen, kann so ein Kabelbrand auch bei stillstehendem Motor passieren. Im Schlaf hätte es uns erwischen können oder unbemerkt auf der Fähre! Nicht auszudenken!

Jetzt warten wir sehnsüchtig auf das Eintreffen von Elliot und hoffen so sehr, dass wir seine Reparatur stemmen können.

Aber bisher ging immer irgendwo ein Lichtlein auf 🙂

******************************************************************************************************

Das war wohl der kürzeste aber auch pünktlichste Reisebericht bisher… darum sollt ihr wenigstens noch ein paar Fotos zum gucken bekommen. Wüsste man es nicht besser, könnte man doch glatt glauben, wir wären im Urlaub gewesen 😉

Maubeuge

 

Warten auf die Nachricht von der Werkstatt. Noch lagen wir gut in der Zeit. Die Fähre legte am kommenden Morgen um 9.40Uhr ab. So richtig genießen konnten wir den Stadtrundgang trotzdem nicht.  Dann kam die traurige Gewissheit aus der Werkstatt: NiX zu machen!

Lille

(Donnerstag, 15.08.2015)

Auf dem Weg zum Leihwagen

 

Und jetzt die positiven Seiten des Erlebten:

– Elliot ist für uns immer noch der tollste Bus der Welt – bis Maubeuge hat er uns 13.876km pannenfrei (außer Lapalien) durch die Gegend kutschiert

– Wir sind so ein tolles Team 🙂 auch in prenzligen Situationen wie wir jetzt wissen!

– Mc Donald ist wirklich so schlimm wie wir immer dachten 🙂 wir haben also die letzten 12 Jahre nichts verpasst!

– Unser Hund Elmo ist der Wahnsinn! Was der alles mitmacht … ihr macht euch kein Bild!

IMG_1050

Der nigelagelneue Audi A4 war einfach zu klein für eine Besatzung wie UNS 😀

– Lille ist eine unglaublich tolle Stadt, die wir sicher nie „bemerkt“ hätten und die wir uns bestimmt mit mehr Zeit und besserer Stimmung nochmal anschauen werden.

– Eigentlich sind wir echt Glückskinder… sogesehen 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.