Steinhuder Meer – Sommer 2014

So richtig wollte sich in diesem nasskalten Sommer, das Urlaubsfeeling nicht einstellen.

Trotzdem oder gerade deshalb war klar: wir fahren gen Süden, der Sonne entgegen!

Doch wie so oft kam alles anders als geplant und so ging die geplante Reise nicht gen französischem Süden – sondern der deutsche Norden sollte unsere Heimat für die nächsten Tage werden.

Der Sinneswandel ist ganz einfach zu erklären: Das WOHNBUS-VIRUS hat uns befallen (eine Steigerung des Busviruses)

Im Januar bereits hatte ich erste Symptome gezeigt, die sich vorallem im nächtelangem Durchkämmen sämtlicher Verkaufsplattformen äußerte und in Schwärmereien für Fahrzeuge die ihre Motoren am anderen Ende trugen als Elliot in hat: nämlich hinten.

Als dann tatsächlich auch der Wohnbus meiner Träume zum Verkauf stand, uns dieser aber durch eine blöde Verwechslung durch die Lappen ging, war der Euphorie und der Lust nach Wohnbussen zu schauen erst mal ein jähes Ende gesetzt. Es war zwar eng in Elliot zu reisen – sooooo eng aber doch nun wieder nicht, dass man irgend einen Wohnbus anschaffen musste, pah! Und so begannen wir auf Hochtouren Elliot zu restaurieren und fürs H-Kennzeichen aufzuhübschen. Thema Wohnbus war erledigt! Unsere ganze Energie floss in Elliots Restauration.

Kurz vor der Abreise gen Süden dann, kam eine Mail vom glücklichen Käufer meines damaligen Traumbusses:

Erst wollte ich die Mail ungelesen löschen … mir schwahnte schon… aber die weiblich Neugier siegte und siehe da: Der Setra s9 stand wieder zum Verkauf! Oh Gott!

Alles klar, ruhig bleiben, wir haben einen gerade fertig restaurierten Bus, keine Panik  –  Urlaub umdisponiert und uns mit den Reizen der Landschaft rund um den Busstandort herum beschäftigt.

Los gings mit Verzögerungen nach doppelter Reifenpanne die wir uns beim Oldtimertreffen im Freilichtmuseeum in Beuren zugezogen hatten dann am Samstag, den 23.08.2014

Richtung Kassel

wo wir notgedrungen die Nacht auf einem Autobahnrastplatz verbrachten. Der Keilriemen war uns gerissen und die hereinbrechende Dunkelheit war nicht gerade förderlich beim Draufpfriemeln des neuen Riemens. Weil Elliot einen höheren Kühler hat als es normalerweise für den 319er üblich ist, kommt man auch so gut wie gar nicht an die entsprechenden Stellen, sodass wir das Kühlwasser ablassen und den Kühler teilweise abbauen mussten während ich versuchte, die Kinder bei Laune zu halten… aaaaargggg. Ich weiß nicht, was eine größere Herausforderung war. Letztlich schaffte es Ralf dann doch noch mit Gewalt, aber zum Weiterfahren hatten wir nun beide keine Lust mehr.

Weit war es nicht mehr bis Steinhude und so fuhren wir am nächsten Morgen nach einem dürftigen Raststättenbusfrühstück  den Vormittag durch bis zum ersten Ziel.

Steinhuder Meer

(Sonntag, 24. August – Dienstag, 26. August)

Dort angekommen, suchten wir uns ein Plätzchen auf dem offiziellen Wohnmobilstellplatz des Örtchens und machten uns auf die Gegend auszukundschaften. Die sonne meinte es gut mit uns und wir waren überrascht was der Ort alles zu bieten hatte. Erst mal liefen wir die wunderschöne Strandpromenade entlang. Das Steinhuder Meer ist ein Flachsee mit sehr guter Wasserqualität, Brut- und Durchzugsgebiet vieler Wasservögel  und ein Paradies für alle zweibeinigen Wasserratten. Es gibt einen Bootsverleih für Tret- und Elektroboote, Segler und Surfer waren auf dem Wasser, eine Badeinsel mit feinem Sandstrand, an dem Nele in den Genuss eines Schlammbades kam und natürlich kulinarische Fischspezialitäten, die wir nahe des historisches Scheunenviertels genossen. Hier konnte man es aushalten. Für mitlesende Hundebesitzer sei noch erwähnt, dass Hunde auf der Badeinsel keinen Zutritt haben.

Das unsommerliche Wetter konnte Nele nicht davon abhalten sich wie im Sommer zu fühlen und schwupps, hast du nicht gesehen – hatte sie sich auf der Badeinsel in die Fluten gestürzt. Unser Badevergnügen war ja zeitlich etwas eingeschränkt, da Ralf mit Elmo vor dem Tor zur Badeinsel hockte.

Am Bus zurück, meldeten wir uns erst mal an beim Wohnmobilstellplatzwächter der nun gewissenhaft den Wohnmobilstellplatz bewachte… ganz ungewohnt und spannend für uns, da wir für gewöhnlich ja frei stehen.

Die Wetterfrösche konnten sich irgendwie nicht recht entscheiden und so packten wir die Gelegenheit gleich am Schopfe, als uns am Montagmorgen die Sonne zwar zögerlich aber doch verlockend zuzwinkerte. Schnell hatten wir das Ränzlein geschnürt und ein Boot (inkl. redseligem Kapitän) gechartert, mit dem wir zielstrebig auf unser Ziel zuhielten:

Die kleine Insel mitten im See, die im 18. Jahrhundert künstlich geschaffen wurde und auf der die Festung Wilhelmstein errichtet worden war.

Auf der Rückfahrt im Auswandererboot, zwinkerte die Sonne schon nur noch halb so verlockend und als wir am Ufer von Steinhude anlegten, war der Himmel mittlerweile schon wieder diesig grau. Genau das richtige Wetter um nach dem Genuss eines traditionellen Fischbrötchens, das Schmetterlingshaus zu besuchen. Gesagt, getan…

http://www.schmetterlingsfarm.de/steinhude/

Das Schmetterlingshaus wird betrieben von einer Familie des Ortes und wir waren sehr angetan von der Freundlichkeit und Offenheit der Leute. Insekten wurden aus den Terrarien genommen und den Kindern (die die wollten) auf die Hände gesetzt. Die meisten der Tiere hatten sogar Namen und es wurden durch Erklärungen und Anekdoten wirklich ein Zugang geschafft zum Krabbelgeviech, was mir sonst eher eine Gänsehaut über den Rücken jagt. Respekt!

 

Den restlichen Tag vertieben wir uns im Örtchen mit Eisessen, Spielplatz erkunden, Pferdefüttern und mit einem vorwitzigen Dino musste auch noch die Kraft gemessen werden.

Der regnerische Dienstag, sollte unser Waschplanschtag werden und drum wollten wir nach einem gemütlichen Frühstück ein Schwimmbad ansteuern.

Leider war da Elliot anderer Meinung und er gab keinen Mucks von sich, als Ralf den Schlüssel im Zündschloß drehte. Mist. Batterie leer!

Nun lernten wir auch die Vorteile eines Wohnmobilstellplatzes kennen – freunlich helfende Nachbarn waren sofort zur Stelle um uns Starthilfe zu geben… in einer einsamen korsischen Bucht hätte wir Tage lang auf solche Hilfe warten können…

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Als Elliots Motor wieder saftig schnurrte, steuerten wir Richtung Stadthagen.

Dort gibt es ein Erlebnisbad vor dessen Tür sich ein Wohnmobilstellplatz inkl. Stromanschlüsse befindet.

Die Batterie sollte laden während wir uns vergnügt in die Fluten stürzten. Perfekter Plan!

Tat sie aber nicht – irgendwie hatten wir das schon geahnt… urgs… morgen sollten wir pünktlich zur Busbesichtigung in Kalletal sein und weil wir nichts riskieren wollten, zischten wir auf den letzten drücker los zum ATU der in wenigen Minuten seine Tore schloß…

Gerade noch rechtzeitig hechtete Ralf raus aus Elliot – hinein in den Laden um die letzte große LKW Batterie zu ergattern, die der Laden noch vorrätig hatte.

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Da wir nun sowieso schon auf Achse waren, ließen wir den Schwimmbadstellplatz hinter uns und machten uns auf den Weg nach Rinteln um dort zu nächtigen.

Rinteln

(Dienstag, 26. August – Mittwoch, 27. August 2014)

Während Ralf uns ein schnelles Abendessen bruzelte, machten sich Nele, Liam, ich und Elmo daran, die Umgebung zu erkunden.

Der Stellplatz liegt sehr idyllisch direkt am  Weserufer (Dankerser Straße – GPS: N52°11´32´´ E09°04´42´´) und bietet bis zu 40 Wohnmobilen eine wunderschöne Übernachtungsmöglichkeit.  Es ist ein einfacher, befestigter Platz auf dem man bis zu 3 Tagen kostenlos stehen kann. An der Uferprommenade entlang führt ein Spazierweg, den man in beide Richtungen beschreiten kann. Flussaufwärts findet man nach wenigen Metern eine kleine Strandbar, die allerdings geschlossen hatte. Morgens beglückte uns das Hupen eines Bäckerautos, das zu unserer Freude auch den neuen Spiegel und anderes Lesematerial anbot.
In wenigen Gehminuten erreicht man über die Weserbrücke zu Fuss die historische Altstadt. Allerdings war unsere Aufregung den Setra heute endlich in Augenschein nehmen zu können so groß, dass unser Altstadtausflug recht kurz ausfiel und wir uns alsbald auf den Weg nach Kalletal machten.

Kalletal

Nun war es also soweit. Ich stand vor dem Ungetüm, dass mir schon im Januar nächtelang den Schlaf geraubt hatte. Jetzt wo es so vor mir hockte, verließ mich plötzlich der Mut und wäre Ralf nicht gewesen, wären wir wohl immer noch setralos. Ralf ist aber 🙂 und so sind wir aus Kalletal weggefahren mit einem Kaufvertrag in der Tasche und um einen 9 Meter langen Bus reicher.

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Ohgottohgottohjemineeeeee!

Zum Glück muss nicht immer alles Hand und Fuß haben  was man so im Leben treibt und immer wenn ich an den neuen Blechhaufen dachte, bekam ich weiche Knie. Das war schon nochmal ne andere Baustelle als Elliot! Ja Elliot… und was wurde jetzt aus ihm?

Wie um es uns beweisen zu wollen, machte er auf dieser Fahrt ohne weitere Mucken die 10.000km voll die wir bisher mit ihm unterwegs waren (wir hatten ihn mit knapp 100.000km gekauft) und so haben wir an diesem Abend einfach beide Busse gefeiert: den Kauf des einen und das Jubiläum des anderen und schnell war auch klar: Elliot bleibt auch bei uns – irgendwie.

Mehr vom Urlaubsmitbringsel könnt ihr hier entdecken: Setra S9

Unser nächstes Ziel sollte was Spannendes für die Kinder sein – die Großen waren ja nun auf ihre Kosten gekommen. Wir steuerten also den Edersee an, der so einiges zu bieten hat:

http://de.wikipedia.org/wiki/Edersee

Allerdings waren wir mit dem Stellplatz unterhalb der Staumauer alles andere als zufrieden und so erklimmten wir noch am Abend das Sträßchen hoch zur Staumauer. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte als wir in der Abendsonne auf dem beeindruckenden Bauwerk entlangsschlenderten.

Edersee

(Mittwoch 27.08 – Donnerstag 28.08.2014)

Am anderen Ende der Staumauer stießen wir auf einen wunderschönen Wasserspielplatz, der die Stimmung sofort aufhellte. Vom vielen Fahren heute, der Busbesichtigung und der Stellplatzsuche waren Nele und Liam ziemlich angestrengt und so war es ein Segen die beiden jetzt ausgelassen planschen und springen lassen zu können. Kurzerhand entschieden wir auch deshalb, Elliots Küche kalt zu lassen und nur was an einem der Buden die sich neben dem Spielplatz befanden zu holen, damit wir die beiden nicht schon wieder zurück zum Bus treiben mussten. Einen gemütlichen Platz zum Übernachten fanden wir dann am Ufer des Sees auf einem Wanderparkplatz auf dem es Nachts unheimlich grunzte, gurrte und huhuuuute. Aber wir waren so müde, dass uns das nicht vom Schlaf abhalten konnte. Und außerdem hatten wir ja unseren vierbeinigen Stellplatzwächter stets dabei.

Heute wollten wir früh aufbrechen um den ganzen Tag im Wildpark des Edersees zu verbringen.

Leider mussten wir am Eingang feststellen, dass Elmo nicht erwünscht war und so kürzte sich das Vorhaben alleine schon deshalb.

Da aber vor dem Tierpark ein wunderschöner großer Spielplatz liegt, konnten wir auch dort im Anschluss unser Vesper nehmen und noch Zeit verbringen und Elmo aus dem Bus holen damit auch er etwas toben und tollen konnte.

Der Tierpark selbst ist wunderschön gelegen. Immer wieder bietet sich ein grandioser Blick über den ganzen See bis hinüber zum Schloss Waldeck. Auch die Vielfalt der zu sehenden heimischen Tiere ist beeindruckend und das Sahnehäupchen für Liam und Nele neben der Wolf- und Luchsfütterung war die Flugshow der Raubvögel.

Ralf war inzwischen zu Elmo an den Bus gegangen, damit wir in aller Ruhe dem Sturzflug des blauen Bussards folgen und die Behändigkeit der Falken bestaunen konnten.

 

Gemütliches Verweilen auf dem Spielplatz rundete den Tag ab und wir fuhren mit schnarchenden Kindern in den Sonnenuntergang hinein in Richtung Heimat… soweit Elliot uns trug.

Die letzte Nacht verbrachten wir bei

Tauerbischofsheim

( Donnerstag, 28.08 – Freitag, 29.08. 2014)

um am nächsten Morgen in einem Rutsch bis nach Hause durchzufahren. Das wetter machte uns diese entscheidung einfach.

Elliot hat uns wieder nicht enttäuscht und technisch gesehen keine Probleme gemacht. Der Keilriemenfatzer verbucen wir unter Verschleißteil und eine kaputte Batterie kann man im nicht anlasten 🙂

 

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